ZEIT online: Aber sagten Sie nicht, dass die geringe Menge an alternativ angelegten Geldern die Unternehmen ohnehin nicht beeinflussen kann?

Butz: Man kann darin einen gewissen Widerspruch sehen. Aber das Argument ist eher zukunftsgerichtet. Wenn man sich anschaut, wie sich die nachhaltigen Anlagen in der Vergangenheit entwickelt haben, dann war das noch nicht das Ende der Geschichte. Und man versucht eben, die Akzente so zu setzen, dass in allen Branchen die Entwicklung in die richtige Richtung geht.

Ein selektiver Ansatz, der auf wenige Vorzeigeunternehmen ausgerichtet ist und auf wenige Branchen, hat nur ein kleines Investitionsspektrum zur Verfügung. Als Anbieter wird man mit diesem Ansatz nur die ohnehin schon überzeugten Anleger ansprechen und kommt so nie aus der Nische heraus. Denn für die Kunden bedeuten solche Produkte ein hohes Risiko, verglichen mit dem Markt. Erst wenn ein Anlageprodukt für den Mainstream attraktiv wird, kann es Einfluss am Markt entfalten. Und die Bedeutung des breiteren realistischen Ansatzes liegt darin, dass er für den Mainstream attraktiv ist.

ZEIT online: Dennoch: Viele Anleger möchten bestimmte Produkte oder Unternehmen von vornherein ausschließen, zum Beispiel Firmen, die Rüstungsgüter produzieren oder mit Tierversuchen arbeiten.

Butz: Das ist eine zusätzliche Dimension, die man über beide genannten Ansätze legen kann. Bei best-in-class -Ansätzen beispielsweise bestimmt man zunächst die führenden Unternehmen einer Branche und schließt dann alle aus, die mit Rüstungsgütern zu tun haben. Solche Firmen sind meist im Industriegütersektor angesiedelt, und auch nach ihrem Ausschluss gibt es noch genügend Investitionsgüterproduzenten zur Auswahl.

Im ersten Ansatz ist ein solcher Ausschluss kritischer Unternehmen häufig implizit schon enthalten. Wenn man beispielsweise nur in erneuerbare Energien oder die Wassertechnologie investiert, dann ist das Risiko, Unerwünschtes mitzufinanzieren, aufgrund der fokussierten Geschäftstätigkeit kleiner. Es gibt aber auch hier Ausnahmen. Im Bereich der neuen Energien können das z.B. Hersteller von Brennstoffzellen oder auch von Solarzellen sein, die bisweilen mit dem Militär zusammenarbeiten. Diese Firmen muss man also auch beim engen Ansatz separat identifizieren.

Immer gilt aber: Der Anleger muss sich genau überlegen, was er will. Idealistisch oder realistisch, zusätzliche Ausschlusskriterien oder nicht? Und, das ist besonders wichtig: Er muss sich über die finanziellen Konsequenzen seiner Entscheidung im Klaren sein.

ZEIT online: Mit welchen Konsequenzen muss er denn rechnen?

Butz: Das Risiko bei nachhaltigen Anlagen ist höher, als wenn man am breiten Markt investiert. Messen lässt sich das im Vergleich einzelner alternativer Indizes zu einem Benchmark wie dem MSCI-World-Index. Ein am breiten Markt ausgerichtetes Standardportfolio enthält automatisch einen gewissen Anteil an Erdöl- oder Automobilfirmen. Schließt man sie aus, trägt man ein größeres finanzielles Risiko. Je strenger die Auswahlkriterien einer Anlage, desto höher das Risiko.

Wenn die von Ihnen ausgewählten alternativen Branchen beispielsweise gut laufen, erzielen Sie  systematisch auch höhere Gewinne als der Gesamtmarkt. Aber wenn sie schlecht laufen, sind auch ihre Verluste höher. Die Möglichkeit, dass sich Ihre Anlage anders entwickelt als der Markt, ist also bei der idealistischen Anlagephilosophie besonders groß. Der andere Ansatz hingegen ist auch für risikobewusste Anleger geeignet, denn seine Rendite weicht weniger stark von der des Benchmarks ab.

ZEIT online: Wie haben sich denn nachhaltige Anlagen der beiden von Ihnen beschriebenen Ansätze in der Vergangenheit entwickelt?

Butz: Anfang der 90er Jahre gab es eine Phase, in der sich der selektive Ansatz ganz gut schlug. Da kamen Umwelttechnologiefonds in Mode, und es wurden sehr viele aufgelegt. Das politische Umfeld war günstig, aber die Performance war dennoch nicht besonders gut. Daraus hat sich der breitere best-in-class -Ansatz entwickelt.