Statt der erhofften Krönung seiner erfolgreichsten Saison beim FC Arsenal London hat Jens Lehmann ausgerechnet im Finale der Champions League einen herben Rückschlag erlebt. Nach einer roten Karte in der 18. Minute war für den deutschen WM-Torhüter das Spiel beendet – und damit auch die Erfolgsstory der Londoner in der 51. Runde des Landesmeister-Wettbewerbs. Mit 1:2 (1:0) verloren die Londoner gegen das Starensemble des FC Barcelona in einem zwar spannenden, aber nicht überragenden Spiel.

Vor 77.500 Zuschauern im ausverkauften Stade de France sorgte ein Doppelschlag durch Samuel Eto'o (76.) und Juliano Belletti (80.) für die Entscheidung zugunsten des frisch gebackenen spanischen Meisters, nachdem Sol Campbell (37.) Arsenal per Kopfball in Führung gebracht hatte. Nach insgesamt 995 Champions-League-Minuten ohne Gegentor konnte die Abwehr der Engländer dem Druck des in Überzahl spielenden Gegners am Ende nicht mehr Stand halten.

Während sich seine Nationalmannschafts-Kollegen im Regenerations-Trainingslager auf Sardinien von den Strapazen der Saison erholen und für die WM einstimmen, wurde Lehmann im WM-Endspiel-Stadion von 1998 zur tragischen Figur. Bis dahin in der Champions League 12 Stunden und 44 Minuten unbezwungen, holte der Torhüter knapp außerhalb des Strafraums Barcelonas Torjäger Eto'o von den Beinen und sah wegen dieser Notbremse die rote Karte des norwegischen Schiedsrichters Terje Hauge. Die Szene dürfte der Knackpunkt in der Partie gewesen sein: Für Lehmann, der vor seinem Ausschluss erst zwei Ballkontakte hatte und völlig konsterniert den Rasen verließ, ging Ersatzkeeper Manuel Almunia zwischen die Pfosten. Arsenal musste das Spiel in Unterzahl fortsetzen.

"Ich habe mich verschätzt und bin einen Tick zu spät gekommen, das war nicht gut, das ist klar", schilderte Jens Lehmann die wahrscheinlich spielentscheidende Szene in der 18. Minute. "Das ist ein Moment, über den man sich ärgern muss. Trotzdem hatten wir noch Chancen. Barcelona ist sehr spielstark, aber irgendwann wussten auch die nicht mehr weiter", sagte der enttäuschte Schlussmann. "Ich glaube nicht, dass er sein Selbstvertrauen verloren hat", nahm Arsenal-Trainer Arsene Wenger seinen Keeper in Schutz. "Er hat eine großartige Champions-League-Saison gespielt."

Dabei stand das Match zunächst ganz im Zeichen von Arsenal, das sofort die Offensive suchte. Schon in der dritten Minute musste Barca-Keeper Victor Valdes Kopf und Kragen riskieren, um das 0:1 durch Thierry Henry zu verhindern, der Rafael Marquez mit einer Körpertäuschung ausmanövriert hatte. Nach dem anschließenden Eckball prüfte der französische Nationalstürmer Valdes erneut mit einem scharfen Schuss aus 16 Metern.

Das Team um den zweifachen Weltfußballer Ronaldinho fand erst in Überzahl allmählich seinen Rhythmus; die von den Fans bejubelten Kunststücke des Brasilianers erwiesen sich häufig als brotlose Kunst. Der FC Barcelona wirkte zwar ballsicher, fand aber nur selten ein Mittel gegen die Defensive des Gegners, der dann nach 37 Minuten überraschend in Führung ging. Nach einem fragwürdigen Freistoß flankte Henry den Ball nach innen, wo der als Ersatz für Philippe Senderos in die Mannschaft gekommene Abwehrspieler Campbell zum 1:0 traf.

Bei einsetzendem Platzregen erhöhte Barcelona nach dem Seitenwechsel zwar den Druck auf das Tor der Engländer, allerdings fehlten der Elf von Frank Rijkaard auch weiterhin die Ideen. Erst die Einwechslung von Henrik Larsson stellte die Weichen zum Sieg. Dabei blieb Arsenal im Konter stets torgefährlich. In der 67. Minute parierte Valdes einen Schuss von Fredrik Ljungberg, anschließend verhinderte der Barca-Keeper das 50. Europacup-Tor von Henry (70.). Erst als schon kaum noch jemand im Stadion damit rechnete, traf Barcelonas Eto'o auf Zuspiel von Larsson doch noch zum Ausgleich. Der Schwede, der nach der Saison in seine Heimat zurückkehrt, war vier Minuten später auch Passgeber für Belletti, der für die Entscheidung sorgte.