In Deutschland ist die Zahl der Masernfälle in diesem Jahr nach dem ungewöhnlich starken Ausbruch in Nordrheinwestfalen wieder deutlich gestiegen. Auch aus Schleswig-Holstein wurden in dieser Woche bereits 14 Masernerkrankungen gemeldet. Wie in Nordrhein-Westfalen sind auch in Kiel eher Jugendliche als Kinder betroffen. Die Betroffenen sind zwischen 12 und 18 Jahren alt und ungeimpft.

Die oberste Seuchenbehörde des Bundes, das Robert-Koch-Institut in Berlin, wird die aktuellen Ereignisse nun zum Anlass nehmen, auf einem seit langem geplanten Masern-Workshop der Weltgesundheitsorganisation WHO in der Hauptstadt neue Strategien gegen die Kinderkrankheit zu entwickeln. Das Institut kündigte heute an, mit den Experten aus Genf darüber zu beraten, wie man das höchst ansteckende Masernvirus vor allem in den deutschsprachigen Ländern bekämpfen kann.

Die Kontrolle von Masern und Röteln werde in Deutschland, Österreich, der Schweiz und auch in Südtirol durch komplexe Gesundheitssysteme und dezentrale Verantwortlichkeiten erschwert. Besonders problematisch seien jedoch impfkritische Ärzte und Eltern. Sie halten die Impfung für gefährlich und unterstellen Behörden und Impfbefürwortern zum Teil sogar eine Zusammenarbeit mit den Herstellern der Impfstoffe. Das RKI wies am Donnerstag aber nochmals darauf hin, dass die Masern für bis zu 20 Prozent der Infizierten schwere Komplikationen mit sich bringen . Weltweit seien wegen fehlender Impfungen 2003 mehr als eine halbe Million Kinder weltweit gestorben.

RKI-Leiter Reinhard Kurth sagte dagegen, dass alle, die sich dem Ziel der Ausrottung der Masern verpflichtet haben, mehr tun müssen. Deutschland wollte dieses Ziel nach einem Beschluss von 1999 eigentlich bis 2010 erreichen. Erfolge auf dem Weg dorthin sind die neu etablierte Masernüberwachung sowie wachsene Impfraten in den vergangenen sechs Jahren. Derzeit sind zum Zeitpunkt der EInschulung 93,3 Prozent aller Kinder erstgeimpft, rund zwei Drittel aller Kinder in diesem Alter haben auch die zweite Impfung gegen Masern erhalten. Die Eliminierung der Masern – erklärtes Ziel der Weltgesundheitsorganisation– ist nach Angaben des RKI aber nur mit Durchimpfungsraten von mehr als 95 Prozent für die erste (und 80 Prozent für die zweite) Impfung erreichbar.

Auf der Tagung in Berlin soll vor allem diskutiert werden, wie man Ungeimpfte besser erreicht und wie die Verantwortlichen auf die Bedenken Einzelner hinsichtlich der Sicherheit und des Nutzens von Impfungen noch überzeugender eingehen können.

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