Natürlich ist es ein besonderer Zeitpunkt, so kurz vor der WM 2006, zu der Deutschland einige Millionen Fußballfans aus aller Welt erwartet. An 22 Spielorten in Deutschland wollen sie mit ihren Teams fiebern und sicherlich auch kräftig feiern. Deutschland soll sich jetzt polieren und aufputzen für ein gastfreundliches Willkommen, für ein fröhliches Signal in alle Welt.

Und ausgerechnet jetzt werden diejenigen Gewalttaten in der Öffentlichkeit diskutiert, die unmittelbar mit den zu erwartenden Besuchern zu tun haben: gewalttätige Übergriffe auf Ausländer in Deutschland. Am Ostersonntag ein Überfall auf einen schwarzen Familienvater, der immer noch im Koma liegt, am Freitag ein Angriff auf einen in der Türkei geborenen deutschen Politiker in Berlin. Dazwischen zahlreiche fremdenfeindliche Attacken, die nicht so viel mediale Aufmerksamkeit bekamen.

Wenige Tage vor der WM sagt Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) in der ARD, es wäre vollkommen falsch, wenn das Bild entstünde, es gäbe in Deutschland "No-go-Areas". Andere Politiker schlossen sich an: Bundesarbeitsminister Müntefering sprach sich im Deutschlandfunk dagegen aus, Ausländern zu empfehlen, bestimmte Gegenden zu meiden. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) dazu: "Es darf No-go-Areas nicht geben." Das wäre "wie ein Sieg der Rechtsextremisten, denn es ist genau deren Ziel", sagte der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse.

Es darf die Gebiete nicht geben, sonst ist das ein Sieg der Rechten? Das ist so natürlich richtig - prinzipiell. Das Problem ist nur: Es gibt diese Gebiete längst, die Menschen mit dunklerer Hautfarbe für sich als "No-go-Areas" definiert haben. Die Ausländerfeinde haben sie längst eingeschüchtert. Diese Tatsache können die Politiker derzeit Gott sei Dank nicht einfach so wegreden, weil sie zu viel Öffentlichkeit genießt - wohl auch wegen der WM.

Wenn Thierse fordert, den Rechten kein Terrain zu überlassen, hat er unbedingt recht. Man darf diesen Aggressoren niemals ein Gebiet überlassen. Niemals! Aber nicht die ausländischen Mitbürger oder gar die WM-Gäste sind jetzt in der Pflicht, sondern die Polizei, der Rechtsstaat und die gesamte Zivilgesellschaft. Auf dieser Ebene muss die Auseinandersetzung stattfinden.

Natürlich passiert nicht jedem etwas, der auf die Straße geht. Aber die Möglichkeit reicht für ein dumpfes Gefühl von Angst und allein dieses mahnt bereits zur Vorsicht - und zur Vorsorge. Diese Vorsorge müssen die deutschen Politiker walten lassen gegenüber den Gästen, die Deutschland nicht kennen. Man muss ehrlich und offen zu ihnen sein, damit sie sich nicht unvorsichtig in Gefahr begeben.