"Die Welt hat einen seiner stärksten Kämpfer für die Gesundheit verloren - einen Wissenschaftler, Entscheidungsträger und Anführer von außergewöhnlicher Größe und Fähigkeit", sagte Peter Piot, Direktor der UNAIDS, am Montag über den plötzlichen Tod des Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation. Jong Wook Lee starb am frühen Montagmorgen im Kantonshospital in Genf, nachdem Ärzte in der Nacht von Samstag auf Sonntag vergeblich versucht hatten, ein Blutgerinnsel aus seinem Gehirn zu entfernen. Der 61-jährige Südkoreaner war am Samstag plötzlich zusammengebrochen. Er hatte zuvor keine Beschwerden und galt als körperlich ausnehmend gesund. Jong Wook Lee hat die WHO drei Jahre lang durch einige der schwierigsten Herausforderungen ihrer Geschichte geführt. Nun ist er plötzlich gestorben.

Die Nachricht vom plötzlichen Tod des Generaldirektors erreichte WHO-Mitarbeiter und Delegierte aus 192 Nationen zu Beginn des jährlichen Meetings der Weltgesundheitsorganisation, die noch bis zum Samstag im UN-Hauptquartier in Genf stattfindet. Die spanische Gesundheitsministerin Elena Salgado, die die Nachricht von Lees Tod offiziell verkündete, beschrieb Lee als eine besondere Person und einen "außergewöhnlichen Generaldirektor."

Iain Simpson, WHO-Sprecher in Genf, sprach von einem "kompletten Schock". Es habe nicht das geringste Anzeichen gegeben. Lee galt als sportlich, humorvoll und war nie ernsthaft krank gewesen. Elene Salgado sagte, unter seiner Führung sei "die WHO erstarkt und habe effektiv auf weltweite Gesundheitsprobleme reagiert ." Das Meeting in Genf wurde nach zwei Schweigeminuten für 30 Minuten unterbrochen, soll aber wie geplant stattfinden. "Wir müssen weiter arbeiten", sagte Salgado.

Lee war erst vor drei Jahren zum Nachfolger der Norwegerin Gro Harlem Brundtland an die Spitze der WHO gewählt worden, nachdem er bereits 23 Jahre auf regionaler bis internationaler Ebene für die Organisation tätig gewesen war. Der Arzt galt als Experte für Impfstoffe und arbeitete seit dem Eintritt in die WHO insbesondere als in der Bekämpfung von Polio und Tuberkulose.

Als neuer Generaldirektor trat Jong Wook Lee an die Spitze der WHO, gerade, nachdem diese die SARS-Krise in Südostasien zu kontrollieren begann. Doch Lee sah sich und seine Organisation seither einer weitaus größeren Herausforderung gegenüber: Seit 2003 wächst mit der Ausbreitung des Vogelgrippevirus H5N1 die Bedrohung eine Grippepandemie.

Den Kampf gegen diese Gefahr wird nun vorerst sein bisheriger Stellvertreter, der Schwede Anders Nordström anführen müssen.