Bei einem Treffen der Führungen aller palästinensischen Fraktionen, das in Ramallah und Gaza gleichzeitig stattfand, forderte Abbas am Donnerstag eine Entscheidung für einen gemeinsamen politischen Kurs von Fatah und Hamas innerhalb von zehn Tagen. Eindringlich warb er bei den Spitzen seiner Fatahbewegung um Unterstützung. Die Hamas forderte er auf, in eine gemäßigte Linie einzuschwenken: "Wir müssen wissen, was wir wollen und nicht, was wir nicht wollen", sagte Abbas. "Es reicht nicht, dauernd zu sagen: Wir sind nicht einverstanden, wir sind nicht einverstanden." Sollten die zehn Tage ohne Entscheidung verstreichen, werde er binnen 40 Tagen eine Volksabstimmung über eine Zwei-Staaten-Lösung veranlassen.

Die Hamas lehnte inzwischen den Druck von Seiten Abbas ab. Ministerpräsident Ismail Hanija gab in Gaza seine Prioritäten bekannt: "Erstens: die Spannungen zwischen der Fatah und der Hamas. Zweitens: das Problem der Verteilung der Kompetenzen zwischen Präsident und Regierung. Drittens: Die Belagerung, die über unser Volk verhängt wurde und die israelischen Pläne, einseitige Fakten zu schaffen. Viertes: die Herausbildung einer einheitlichen politischen Linie."

In einer Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses richtete Olmert am Mittwoch einen leidenschaftlichen Appell an die Palästinenser, mit einer Absage an die Gewalt den Weg zu einem dauerhaften Frieden zu ermöglichen. Die Abkommen Israels mit Ägypten und Jordanien seien Beispiele dafür, was erreicht werden könne. "Die Lehre daraus ist klar: In wenigen Jahren könnten die Palästinenser in einem palästinensischen Staat Seite an Seite in Frieden mit Israel leben", sagte der Regierungschef. Olmert unterstrich seinen Willen zu Gesprächen mit Abbas.

US-Präsident George W. Bush hatte am Dienstag grundsätzliche Unterstützung für Israels Pläne für einen Teilrückzug aus dem besetzten Westjordanland und eine einseitige Grenzziehung signalisiert. Diese "kühnen Pläne" könnten "ein Schritt zu einem Frieden sein", sagte Bush nach einem Treffen mit Israels Ministerpräsident Ehud Olmert in Washington. Bush betonte aber auch, dass nur eine Verhandlungslösung einen "dauerhaften und gerechten Frieden" im Nahen Osten bringen könne.

Das US-Repräsentantenhaus verabschiedete am Dienstag mit 361 zu 37 Stimmen eine Entschließung, die eine Verschärfung der bisherigen US-Sanktionen gegen die Hamas-Regierung und den rigorosen Ausschluss jedes amerikanischen Kontakts mit ihr bedeuten würde. Falls auch der Senat zustimmt, soll demnach künftig auch keinem Mitglied der Palästinenserführung mehr ein US-Visum erteilt werden - laut "Washington Post" dürfte selbst Präsident Abbas nicht mehr nach Washington reisen.

Das in Aussicht gestellte Referendum zur Schaffung eines palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967 geht auf einen Vorschlag ranghoher palästinensischer Gefangener zurück. Das unter anderem von dem Fatah-Führer Marwan Barguti unterzeichnete Abkommen sieht vor, die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO und Abbas mit Friedensverhandlungen mit Israel zu beauftragen. Es schlägt zudem die Einigung aller Palästinensergruppen unter der Schirmherrschaft der PLO vor. Die Hamas hatte kühl auf den Vorschlag reagiert.