Bertelsmann kauft für 4,5 Milliarden Euro das Aktienpaket des belgischen Minderheitsaktionärs Albert Frère zurück. Am Donnerstag verkündeten der Medienkonzern und Frère gemeinsam diesen Plan. Zum ersten Juli wollen die Gütersloher die 25 Prozent des Belgiers wieder übernehmen. Finanziert wird das Geschäft mit einem Zwischenkredit mehrerer Banken.

Die Revolution ist also ausgeblieben. Auch in Zukunft müssen sich die Führungspersonen des Konzerns nicht der öffentlichen Kontrolle stellen, ebensowenig wie den Gesetzen des Kapitalmarktes. Und sie werden auch künftig keine Fragen von Investoren beantworten müssen. Die Familie Mohn, insbesondere Liz Mohn, die als Sprecherin der Familie de facto die Mehrheit des Konzerns kontrolliert, hat sich durchgesetzt. Die Machtfrage, die der mögliche Börsengang zwischen Unternehmensvorstand und Familie Mohn aufgeworfen hatte, scheint entschieden. Noch bis vor Wochenfrist war das nicht so sicher gewesen. Der Bertelsmann-Vorstand hatte - sehr vorsichtig - ein grundsätzliches Interesse an einem Börsengang erkennen lassen.

Frère hatte den Anteil an Bertelsmann 2001 erworben. Im Gegenzug hatte er damals 29,9 Prozent am damaligen Fernsehkonzern CLT-UfA, der heutigen RTL Group, an den Medienkonzern verkauft. Bertelsmann hält heute mehr als 90 Prozent an Europas größter privater Fernsehsenderkette. Für den Konzern ist das Fernsehen die profitabelste der sechs Unternehmenssparten.

Wie wird Bertelsmann den Rückkauf finanzieren? Das frei verfügbare Vermögen der Familie ist begrenzt, das Geschäft kann also nur die AG selbst organisieren. Einen Teil des Geldes wird vermutlich der Verkauf des Musik-Verlagsgeschäftes erbringen. Im Juni soll der Auktionsprozess beginnen, an dem Bertelsmann nach eigenen Angaben "ausgewählte Interessenten beteiligen wird". Der Wert des Musikverlags, der die Rechte an Musiktiteln etwa der Band Coldplay verwaltet, wird auf rund 1,2 Milliarden Euro geschätzt.

Bertelsmann verfügt ferner - glaubt man dem Geschäftsbericht - über freie Kreditlinien in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Darüber hinaus will Bertelsmann auf Mittel aus dem laufenden Geschäft zurückgreifen. Die internen Finanzierungsziele - eine Verschuldung von maximal dem 2,3-fachen des operativen Gewinns - will der Konzern bis Ende 2007 wieder erreichen. (kpm.)

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