Synopsis:
Gerade der Kindheit entwachsen lernt Marie-Antoinette von Österreich das reglementierte und feindselige Leben am Hofe von Versailles kennen. Der zukünftige König Ludwig XVI lässt sie im Stich, während sie dem Druck standhalten muss, endlich einen Thronfolger zur Welt bringen. Nach und nach entzieht sich Marie-Antoinette ihren Verpflichtungen und flüchtet in ein Leben voller Vergnügungen und Zerstreuung. Die Szenerie wurde im Petit Trianon in Versailles nachgebildet.

Kritik:
Der in Cannes ungeduldig – und vielleicht etwas zu ungeduldig – erwartete neue Film von Sofia Coppola hat enttäuscht. In der Buchvorlage von Antonia Fraser fand die amerikanische Regisseurin mit dem Schicksal der jungen Österreicherin ein Thema, das bereits in ihren vorangegangenen Filmen immer wieder eine Rolle spielte: Der Übergang eines allein gelassenen, in einem Elfenbeinturm lebenden jungen Mädchens ins Erwachsenenalter. Immer stehen den Protagonistinnen in Sofia Coppolas Filmen fremde und feindselige Welten gegenüber, in denen sie sich behaupten müssen: Für Marie-Antoinette sind es Versailles und der königliche Hof, für Lux Lisbon in Virgin Suicide ist es ihre streng von der Außenwelt abgeschirmte Familie und für Charlotte in Lost in Translation die überfüllte Stadt Tokio. Trotz des Versuchs, neue Erzählformen auszutesten, begnügt sich Sofia Coppola damit, das altbekannte Schema auf einen neuen Kontext anzuwenden. So ist der historische Rahmen mit der entsprechenden Ausstattung das einzig neue Element dieses Projekts. Darüber hinaus unterscheidet sich Marie-Antoinette von den vorangegangenen Filmen durch das höchste Produktionsbudget in Coppolas Karriere.

Zugegeben: Versailles als Drehort ermöglichte prächtige Filmsequenzen, und die in sämtlichen Farben schillernden Kostüme, Masken und Frisuren erfüllen alle Erwartungen. Die Entscheidung der Regisseurin, zugunsten einiger künstlerischer Freiheiten auf eine detailgetreue historische Rekonstruktion zu verzichten, erweist sich oft als sehr geschickt. Und auch die Filmmusik mit zahlreichen Titeln aus den 80er-Jahren (The Cure, Siouxsie and the Banshees, New Order…) verleiht der anachronistischen Behandlung des Themas zusätzlichen Reiz. Dennoch mangelt es dem Film an jenen kleinen, die Emotionen unterstreichenden Einschüben, die Sofia Coppola sonst so meisterhaft beherrscht und im richtigen Moment einsetzt. Ihre Marie-Antoinette scheint mit den Dimensionen dieses Projekts überfordert zu sein und kommt dem Zuschauer nie wirklich nah. Kirsten Dunst kann sich noch so bemühen, zwei bis drei Schmollmünder zu ziehen oder verloren aus der überdimensionierten Badewanne zu blicken, die Persönlichkeit ihrer Figur bleibt doch im Verborgenen. Die sehr auf ästhetische Wirkung ausgerichtete Machart der Szenen beispielsweise, in denen die Königin Zerstreuung inmitten der Natur im Petit Trianon sucht, ist symptomatisch für den unschönen Eindruck, dass die Regisseurin sich Hals über Kopf in allzu Verkünsteltes stürzt und mit diesem Film leider baden geht.
Sterne: **