Gestern habe ich in einer Agenturmeldung gelesen, dass deutsche Sparer die Ergebnisse verschiedener Anlageformen vollkommen falsch einschätzen. Einer Befragung zufolge setzten sie den Betrag, den ihnen ein Sparbuch in den vergangenen 30 Jahren gebracht hätte, viel zu hoch an, während sie die Sparsumme bei Aktienfonds viel niedriger ansetzen, als das tatsächlich der Fall ist.

Ich bewerte ja den Sinn und Zweck solcher Befragungen relativ kritisch eingedenk der Tatsache, dass auch die Fragestellung eine Rolle spielt. Denn für verhaltensorientierte Kapitalmarktforscher ist es erwiesene Sache, dass Menschen ganz unterschiedliche Aussagen machen, wenn sie (schwankende) Renditen entweder als Angabe in Prozent oder eben in absoluten Zahlen einordnen sollen. Der Schätzfehler der oben genannten Umfrage wäre wohl ganz anders ausgefallen, wenn die Demoskopen nach Prozentzahlen gefragt hätten.

Aber wahrscheinlich sind die meisten Anleger auch mit der Finanzmathematik nicht vertraut. Gefühlte 30 Jahre sind ganz schön lang, aber in der schnöden Welt der Zahlen kommt erst die Wirkung von Zins und Zinseszins so richtig zum Tragen.

Die interessante Frage ist doch folgende: Kann die Mehrzahl der Deutschen einschätzen, welches Geld ihnen im Alter zur Verfügung steht? Und zwar ebenso real wie realistisch? Mit Zahlen und Beispielrechnungen zu hantieren ist undankbar, aber geben Sie mir eine Chance und lesen Sie weiter, auch wenn Mathematik in der Schule nie zu Ihren Lieblingsfächern gehörte. Nehmen wir einfach die staatlich geförderten Sparformen, auf die ich in den vergangene Wochen hingewiesen habe: Vermögenswirksame Leistungen (VL) , Riester-Vertrag, betriebliche Altersvorsorge beispielsweise im Rahmen einer Direktversicherung . Und tun wir so, als würde ein Arbeitnehmer die drei Verträge 30 Jahre lang mit den heute üblichen Höchstbeträgen besparen.

Was beim VL-Vertrag am Ende herauskommt, lässt sich kaum abschätzen, wenn das Geld in einen Aktienfonds wandert. Das ist aus Renditegesichtspunkten zwar sinnvoll und hätte rückblickend betrachtet aller Wahrscheinlichkeit nach einen sechsstelligen Betrag gebracht. Aber was die Börsenzukunft bringt, ist leider ebenso unsicher wie das Anlagegeschick des Fondsmanagers, auf den Sie im Einzelfall setzen. Ich bin mal vorsichtig und setze der Einfachheit halber 50.000 Euro an.