Die westliche Welt hat das Internetzeitalter ausgerufen: Kaum eine tägliche Verrichtung, die sich noch ohne Computer oder Zugang zum Netz erledigen ließe. Bitter jedoch ist, dass derzeit nur ein geringer Prozentsatz der Weltbevölkerung am globalen Daten- und Informationsaustausch teilnimmt. Weltweit haben 1,3 Milliarden Haushalte keinen Zugang zu Informationstechnologien wie einem Internetanschluss - oder überhaupt einem PC, mit dem der Eintritt ins Netz erst möglich wäre. Der Informationsaustausch indessen wird als Basis des weltweiten Handels immer wichtiger und bereits benachteiligte Nationen geraten immer mehr ins Hintertreffen.

Ein Laptop für jedes Kind

"One Laptop per Child" (OLPC) heißt die 2005 von MIT-Professor Nicholas Negroponte gegründete Initiative, die besagte digitale Lücke schließen soll. Der Titel der Non Profit Organisation , ist gleichzeitig Programm und Ziel: Es soll ein funknetzfähiger Laptop entwickelt werden, der für 100 Dollar pro Stück produziert und an Bildungseinrichtungen in Entwicklungsländern abgegeben werden kann. Dort sollen junge Menschen an ihrem eigenen Rechner "lernen zu lernen" und am weltweiten Austausch von Informationen teilzunehmen. Ende letzter Woche wurde der erste lauffähige Prototyp vorgestellt. Zwar wird der Preis von 100 Dollar nicht erreicht, mit geschätzten 130 Dollar beträgt er aber noch immer einen Bruchteil der üblichen Kosten.

Der OLPC-Laptop ist ganz auf den Einsatz in Entwicklungsregionen abgestimmt: Er besitzt eine innovative Stromversorgung (inklusive einer Kurbel zum Aufladen der Akkus) und soll zwei Laufarten des Bildschirms unterstützen, einer davon speziell für den Einsatz bei grellem Sonnenlicht. Ein 500Mhz-Prozessor von AMD steuert das Gerät, eingebaut sind zudem 128MB RAM Arbeitsspeicher und 4 USB-Anschlüsse. Als Software kommen nur freie und kostenlose Programme zum Einsatz, das Linux-Betriebssystem mit vielen Anwendungsprogrammen stellt Red Hat zur Verfügung.

Das Gerät wird alles können, was ein normales Notebook auch kann - außer große Datenmengen speichern. Als Speichermedium stehen nämlich nur 500 Megabyte Flash-Speicher zur Verfügung, eine Festplatte gibt es nicht. "Der Laptop wird einen drahtlosen breitbandigen Anschluss besitzen, der es ihm unter anderem ermöglicht, in einem mesh network zu arbeiten: Jeder Laptop wird mit seinen nächsten Nachbarn reden können und so ein lokales Ad-hoc-Netzwerk bilden", ist auf der Webseite der Initiative nachzulesen. Die mesh network -Technik wurde am MIT (Massachusetts Institue of Technology) im Media Labor entwickelt.

Den konkurrenzlos niedrigen Preis soll die massenhafte Produktion der Laptops gewährleisten - sie ist erreicht, wenn 5 Millionen Geräte bestellt und im Voraus bezahlt sind. Die Computer will OLPC direkt an Regierungen von Entwicklungsländern vertreiben, die die Laptops dann über Schulen nach dem Grundsatz "ein Laptop pro Kind" verteilen.

Es gibt bereits erste Gespräche mit China, Indien, Brasilien, Argentinien, Ägypten, Nigeria und Thailand. Im Januar hat OLPC eine Unterstützungsvereinbarung mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) getroffen. Das UNDP will Pläne für die Verteilung der Laptops auflegen.

Microsoft erschließt "aufstrebende Märkte"

Einen ganz anderen Ansatz, Informationstechnologie in Entwicklungsländern zu verbreiten, verfolgt Microsoft. Überhaupt spricht man bei der Softwarefirma nicht von Entwicklungsländern, sondern von " emerging markets ", aufstrebenden oder entstehenden Märkten, die Microsoft mit dem " pay-as-you-go "-PC erschließen will - einem vollwertigen Rechner, der zwar in der Anschaffung wenig kostet, dessen Gebrauch dann aber abhängig von der Nutzungszeit bezahlt werden muss: Ähnlich wie man es von Handytarifen kennt - also per PrePaid-Guthaben. Dieses Modell erprobt Microsoft bereits seit einem Jahr in Brasilien, weitere Testläufe sollen in den nächsten Monaten in Mexiko, Indien, China und Russland starten.

Die Technologie hinter dieser Initiative nennt sich "Microsoft FlexGo". Es ist eine konsequente Weiterentwicklung der von Microsoft und anderen IT-Größen propagierten "Trusted Computing Platform" (TCP), also einer Hardware, die den Zugriff des Nutzers auf Programme und Funktionen des Rechners regelt. Es gibt keine Möglichkeit, eigene Software auszuwählen und zu installieren - der Kunde darf nur das, was ihm der Hersteller erlaubt. Namhafte Hersteller haben bereits angekündigt, FlexGo unter anderem auf Prozessorebene mit den nötigen Funktionen zu unterstützen.