Als wir um halbzehn die gut gefüllte "Fabrik" in Hamburg betreten, fühlen wir uns wie durcheinen Tunnel in eine andere Zeit zurückversetzt. Aber nein, wir sind nicht mehr 17, und die Fans um uns herum ganz sicher auch nicht, nur - sie sehen noch immer so aus wie früher: Schwarze XL-Molly Hatchet T-Shirts kleiden feiste Leiber, wuchtige Jack Daniels-Gürtelschnallen protzen an schwarzen Röhrenjeans und graue, schulterlange Mähnen kompensieren fehlendes Haupthaar. Es riecht nach Bier, Männerschweiß und Rock`N`Roll.

Wie würde er aussehen nach all den Jahren? Was würde er spielen, dieser mittlerweile 58jährige wilde Mann aus der Autostadt Detroit? Ted Nugent war bereits in den Siebziger Jahren ein Star, lange vor Van Halen oder AC/DC. Seine besten Alben stammen aus der zweiten Hälfte jenes Jahrzehnts. In den letzten zwanzig Jahren hatten wir ihn völlig aus den Ohren verloren. Die letzten schwachen Alben von ihm, die in unseren Plattensammlungen schlummern, erschienen Mitte der Achtziger. In jüngster Zeit war er mehr als Verfechter des Irakkriegs und kampfbereites Mitglied der amerikanischen National Rifle Assosciation (NRA) aufgefallen denn als schillernde Rock`N`Roll Figur. Ein Comeback außerhalb seiner angestammten Fangemeinde hatte er mit der Musik zum Skateboardfilm Dogtown and Z-Boys über die Anfänge der Skateboard-Szene in den USA. Die frühen Skater hörten keinen HipHop,sie hörten Ted Nugent!

Dann kommt er auf die Bühne:schlank und rank wie ehedem, mit angegrauten Koteletten, Ziegenbärtchen, Cowboyhut und Camouflage-Shirt, so präsentiert er sich als musikalischer Großwildjäger. Gitarre, Bass, Schlagzeug - mehr braucht es an diesem Abend nicht, um ein vor Energie, Präsenz und Spielfreude nur so trotzendes Rock`n`Roll-Spektakel alter Schule abzuziehen. Wir sind sprachlos. Und bei aller Virtuosität, Schnelligkeit und Präzision stehen diese Dinge doch nicht im Mittelpunkt. Nein, es ist mehr das Wissen um das Riff und den Blues, das Ted Nugent beim Umgang mit seiner halbakkustischen Gibson Byrdland einzigartig macht. Er wirkt an der Gitarre wie Ronaldinho am Ball oder sagen wir besser Pele.

Auch bei seinem Auftritt in Hamburg versteckt er seine patriotische Gesinnung nicht.Hinter der Bühne hängt ein riesiges Sternenbanner, und zwischen den Stücken spricht er von seinen geliebten Waffen, den Rednecks und seinem schönen freien Amerika. Ok, das ist der Preis für sein genuines Gitarrenspiel.

Nugent spielt sich mit steigender Intensität und Lautstärke durch seine alten Hits, das Publikum feiert ihn. Wem es gelingt, auch noch ein ins Publikum geworfenes Gitarrenblättchen aufzufangen, der taucht völlig ab in die gute alte Zeit. Cat Scratch Fever und Stanglehold, die beiden größten und bekanntesten Nummern beenden den Auftritt, bevor Nugent dann als Indianerhäuptling unter einem mächtigen Federschmuck als Zugabe noch Great White Buffalo spielt.

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