Das Gericht hat sich mit diesem Urteil weder der Forderung der Verteidigung noch der der Staatsanwältin angeschlossen. Deren Anklage wegen Mordes hatte es bereits vor der Hauptverhandlung abgewiesen. Stattdessen hatte das Gericht Anklage wegen Todschlags erhoben, da nach seiner Auffassung die planmäßige und gewohnheitsmäßige Tötung der Kinder nicht nachzuweisen ist. Die Anklage besagte, dass die 13fache Mutter ohne fremde Hilfe zwischen 1992 und 1998 acht Kinder entbunden und so lange unversorgt gelassen habe, bis sie starben. Die letzte Tötung soll 1998 stattgefunden haben. Ein weiterer Fall aus dem Jahr 1988 ist nach DDR-Recht bereits verjährt. Zeugen für die Taten gibt es nicht, die Täterin erinnert sich nicht . Die Überreste der Kinder waren im vergangenen Sommer entdeckt worden.

Ein psychiatrisches Gutachten stufte die Angeklagte als voll schuldfähig ein. Sie hat während des gesamten Prozesses geschwiegen. Der Vater aller Kinder, von dem sie inzwischen geschieden ist, hatte ebenfalls keine Angaben gemacht. Er will weder von den Schwangerschaften noch von den Geburten etwas bemerkt haben.

Staatsanwältin Anette Bargenda war am Dienstag bei ihrer Forderung geblieben, die angeklagte Sabine H. wegen Mordes schuldig zu sprechen. Die 40-Jährige habe "serienhaft" und "routinemäßig" acht lebend geborene Kinder "durchdacht getötet", sagte sie vor dem Landgericht Frankfurt an der Oder. Schon während der Schwangerschaft, die sie verbarg, sei der Entschluss gereift, die Kinder zu töten, nicht erst beim Einsetzen der Wehen. Einen Leichnam soll die Angeklagte über Jahre in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt haben, bis sie ihn vergrub.

Die Staatsanwältin hatte am Dienstag zudem beantragt, dass die besondere Schwere der Schuld anerkannt würde, weil von "niederen Beweggründen" für die Taten auszugehen sei. Dadurch wäre eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Bargenda verwies zwar auf die Alkoholsucht der Angeklagten, die aber laut Gutachten nicht zu einer verminderten Schuldfähigkeit führte. "Sie versuchte, ihre Probleme wegzutrinken." Der Ehemann wollte nach drei Kindern keinen weiteren Nachwuchs. Sie habe Angst gehabt, dass ihr Mann sich von ihr trennen und sie das Sorgerecht an ihn verlieren könnte. Deshalb habe die Angeklagte die Schwangerschaften verheimlicht. Zu einem Arzt sei sie nie gegangen, weil sie befürchtete, dieser könnte die vorherigen Schwangerschaften feststellen.

Verteidiger Matthias Schöneburg hatte hingegen für dreieinhalb Jahre Haft wegen Totschlags durch Unterlassen in einem minderschweren Fall plädiert: Das 1992 in Goslar geborene Kinde habe gelebt und sei nicht ausreichend versorgt worden, so dass es starb. Den Tod dieses in einen Mantel eingewickelten Kindes habe die heute 40-Jährige erst am Tag nach der Entbindung bei ihrer Rückkehr in Frankfurt bemerkt. Für weitere Taten gibt es aus Sicht des Verteidigers keine ausreichenden Beweise.