So profan also läuft das. Da besucht ein "Beamter des mittleren Dienstes" die Kantine des mazedonischen Innenministeriums. Zu ihm setzt sich ein "Unbekannter" und er erzählt,  die Mazedonier hätten soeben einen deutschen Terrorverdächtigen  an den CIA übergeben. Anfang 2004 war das. Was macht der BND-Beamte?  Er behält die Information des Unbekannten für sich, weil er "mit dem Namen El-Masris nichts anzufangen wusste" und außerdem "mit einer anderen Aufgabe betraut war."

Soweit die Darstellung des Bundesnachrichtendienstes über die letzte "Informationspanne". Sie kann einem richtig Angst einjagen: Hätte der Beamte den Kantinentratsch nicht in jedem Fall melden müssen? Entweder weil  dieser verhaftete El-Masri tatsächlich ein Terrorist war - oder weil ein unschuldiger Deutscher an fremde Dienste ausgeliefert wurde und er vielleicht diplomatische Hilfe gebraucht hätte?

BND-Präsident Ernst Uhrlau zeigt sich nun "alles andere als erfreut". Man möchte es ihm gerne glauben. Und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)  ersucht die Medien, die Sache bitteschön etwas "niedriger zu hängen".

Das Gegenteil muss geschehen. Denn langsam fragt man sich, ob die Bundesrepublik ihrem Auslandsgeheimdienst noch vertrauen kann und ob diese Regierung ihren Schutzpflichten gegenüber deutschen Staatsbürgern noch nachkommt.

Eineinhalb Jahre ist es her, als New York Times und Süddeutsche Zeitung ausführlich über das Schicksal El-Masris berichteten. Seit fast zwei Jahren weiß die Regierung vom Schicksal dieses Mannes, der im Mai 2004 verwildert wie Robinson Crusoe in der Kanzlei seines Anwaltes in Ulm auftauchte und sagte: "Ich wurde vom CIA in einen afghanischen Folterkeller verschleppt und in einem albanischem Wald ausgesetzt". Anstatt El-Masri mit so einer Story ins Irrenhaus einzuweisen, hielt die Staatsanwaltschaft München die Story schon sehr bald für glaubwürdig. El-Masri schilderte nämlich viele kleine Details,  und bei der chemischen Analyse seiner Haare fanden Gerichtsmediziner Hinweise auf Mangelernährung, die von der Haft in Afghanistan herrühren könnten.

Von der deutschen Politik bekam El-Masri hingegen wenig Unterstützung. Die Münchner Staatsanwälte  laufen bis heute gegen Mauern - weder mazedonische, noch amerikanische Partner beantworten Rechtshilfeersuchen. Erst als die Washington Post enthüllte, dass der ehemalige SPD-Innenminister Otto Schily von US-Botschafter Daniel Coats "vertraulich" über El-Masris Entführung informiert wurde (und darüber schwieg) und als ein weiterer Bericht aufdeckte, dass die USA auch in Europa Geistergefängnisse unterhielten, wurden der Fall und eine mögliche Mitwisserschaft deutscher Behörden zum Skandalon.