Die Großrazzia gegen eine vermutete Bombenwerkstatt in London ist nach Zeitungsangaben durch Hinweise auf einen geplanten Anschlag mit dem Giftstoff Zyanid ausgelöst worden. Vor dem Einsatz von 250 Sicherheitskräften gegen zwei Terrorverdächtige in einer Wohnung in Ost-London sei Premierminister Tony Blair persönlich durch die Chefin des Geheimdienstes MI5, Dame Eliza Manningham-Buller, über die vermutete Gefahrenlage informiert worden, berichtete die Sunday Times .

Trotz einer seit Freitagmorgen anhaltenden intensiven Durchsuchung der gestürmten Wohnung in dem Einwandererviertel Forest Gate teilte die Polizei bislang jedoch nichts über eventuelle Funde mit. Daher gab es zunächst auch keine Bestätigung dafür, dass dem MI5 "spezifische Hinweise" vorlagen, wonach laut Sunday Times "bei der Adresse in Forest Gate eine einzelne, an der Oberfläche mit Zyanid versehene Bombe vorbereitet wurde".

Hinweise auf die Planung eines Anschlags mit Hilfe einer solchen Bombe habe ein Bekannter der beiden bei dem Sturmangriff festgenommenen Männer aus Bangladesch geliefert. Er habe angegeben, ein Gespräch der Verdächtigen belauscht zu haben. Dabei sei es darum gegangen, wie sie ein Behältnis mit Explosivstoffen füllen würden. Später seien Hinweise darauf hinzu gekommen, dass der Sprengkörper mit Zyanid umgeben werden sollte, wodurch im Falle einer Explosion eine "toxischen Wolke" über einem größeren Gebiet erzeugt worden wäre. Eine Bestätigung für die Angaben der Zeitung gab es zunächst nicht.

Verwirrung herrschte am Sonntag aber auch um die Schussverletzung eines der beiden Verdächtigen. Es sei unklar, ob der 23-jährige Mohammed Abdul Kahar bei der Razzia tatsächlich von Sicherheitskräften angeschossen wurde, berichtete der Sender BBC. Nach Angaben der Boulevardzeitung News of the World gibt es Hinweise, wonach der Mann bei einem Handgemenge mit der Polizei durch seinen eigenen Bruder aus einer Polizeiwaffe angeschossen wurde.

Scotland Yard hat bisher lediglich bestätigt, dass der Mann eine Schusswunde erlitten hat. Die Polizei verwies auf eine noch laufende interne Untersuchung. Anwälte der beiden Terrorverdächtigen erklärten, die Männer seien Opfer eines Willküraktes der Sicherheitsorgane. Der 23-Jährige sei von einem Polizisten ohne Vorwarnung angeschossen worden.