Die amerikanischen Soldaten haben den Ruf, triggerhappy zu sein – mit anderen Worten: Ihre Finger sollen locker am Abzug sitzen. Wer das glaubt, fand sich heute bestätigt. Nach Angaben der irakischen Polizei haben US-Soldaten in Samarra eine schwangere Irakerin erschossen. Der Fahrer ihres Autos war falsch abgebogen und auf einen Militärstützpunkt zugefahren und reagierte dann nicht auf einen Haltebefehl. Daraufhin schossen die Soldaten. Die Frau war auf dem Weg in die Entbindungsstation gewesen. Das ist eine schlimme Geschichte.

Sie ist leider Alltag im Irak. Seit mehr als drei Jahren müssen Iraker sterben, weil sie zum Beispiel das Handzeichen eines ängstlichen, überforderten US-Soldaten an einer Straßensperre nicht verstehen. Diesen grausamen Alltag nehmen wir im Westen nicht recht wahr.

Die Geschichte der erschossenen Schwangeren hat es nur in die Schlagzeilen geschafft, weil die Öffentlichkeit im Moment durch noch viel Schlimmeres sensibilisiert ist: Das Massaker von Haditha. US-Marines haben nach jetziger Kenntnis dort 24 Zivilisten ermordet, Kinder und Greise eingeschlossen. Das Motiv war wohl Rache für den Tod eines Kameraden in dieser Kleinstadt. Eine Untersuchung läuft. Der amerikanische Präsident George W. Bush selbst hat Aufklärung versprochen.

Das allein zeigt, wie ernst die Sache genommen wird. Zu Recht. Amerika nämlich droht im Irak sein ganzes Ansehen zu verspielen. Wenn das nach dem Folterskandal von Abu Ghraib nicht schon längst der Fall ist. Auch aus diesem Grund ist es an der Zeit, dass die amerikanische Armee sich zurückzieht, langsam und stufenweise – aber sie muss raus aus dem Irak. Diesen Konflikt kann sie nicht mehr gewinnen. Selbst wenn der Irak irgendwann eine stabile Demokratie sein sollte, niemand wird diesen Erfolg den US-Soldaten zuschreiben.

Ihr Bild wird verbunden bleiben mit Abu Ghraib, mit Haditha und vielen anderen üblen Ereignissen. Deshalb dient ein Rückzug vor allem den USA. Nur er kann sie schützen vor der Grausamkeit des Krieges, und vor den eigenen, niederen Instinkten.