Die NYSE und die europäische Mehrländerbörse Euronext schließen sich zur größten Börse der Welt zusammen. Durch die als "Fusion Gleicher" deklarierte Transaktion entsteht die NYSE Euronext, der erste große transatlantischen Börsenbetreiber. Ein zweiter bildet sich gerade in London, wo die US-Technologiebörse Nasdaq mehr als ein Viertel der Anteile an der London Stock Exchange hält.

Die Deutsche Börse hat im internationalen Fusionspoker das Nachsehen. Sie hatte trotz des sich abzeichnenden Erfolgs der US-Konkurrenz bis zuletzt um Euronext geworben. Zuletzt schlug sie deren Chef Jean-Francois Théodore sogar unter bestimmten Umständen den Vorsitz des gemeinsamen Unternehmens vor. Euronext favorisierte jedoch schon länger das NYSE-Angebot.

Gegen eine innereuropäische Lösung standen vor allem die Interessen Pariser Marktteilnehmer sowie Wettbewerbsbedenken . Die Europäische Kommission und Banken kritisierten das Geschäftsmodell der Deutschen Börse, die ihren Kunden vom Aktienhandel bis zur Abwicklung alles aus einer Hand anbietet. Befürworter eines europäischen Zusammenschlusses verwiesen hingegen auf die Vorteile des einheitlichen Aktienhandels in Europa, der die Kosten der Kapitalanlage und -aufnahme minimieren könnte. Die Chance darauf ist nun erst einmal vertan.

Die Reaktionen in Frankfurt fielen unterschiedlich aus. "Das ist ganz klar eine Schlappe für die Deutsche Börse", sagte ein Händler. "Allerdings hat niemand ernsthaft damit gerechnet, dass sie bei der Euronext doch noch zum Zuge kommt." Ein Analyst, der nicht genannt werden wollte, sagte, die Deutsche Börse habe noch viele Chancen auf Fusionen in Europa. "Vielleicht ist es sogar ganz gut, dass es jetzt nicht klappt mit der Hochzeit mit Euronext. So haben die Frankfurter wenigstens nicht zu viel bezahlt." Andere Branchenexperten äußerten sich ähnlich.

Nun müssen noch die Aktionäre von NYSE und Euronext sowie die Wettbewerbsbehörden den Zusammenschluss billigen. Innerhalb von sechs Monaten danach will die New Yorker Börse ihr offizielles Angebot an die Euronext-Aktionäre vorlegen. Kartellrechtliche Probleme sehen beide Firmen nicht.

Obwohl der Zusammenschluss als Fusion Gleicher deklariert wurde, versteht die Wall Street die Transaktion als Kauf der Euronext durch die New Yorker. So soll NYSE-Chef John Thain auch den neuen Konzern führen, und New York wird elf der 20 Verwaltungsratsmitglieder stellen. Euronext- Chef Théodore wird der Stellvertreter Thains und Leiter des internationalen Geschäfts.