Die gestrige Abstimmung über den Kongo-Einsatz im Bundestag war vor allem ein guter Indikator dafür, wie es um die Fraktionsdisziplin von Union und SPD bestellt ist. Hatte in der Union anfangs noch großes Misstrauen gegenüber dem neuesten Abenteuer der Bundeswehr geherrscht, stimmten am Ende nur sechs Abgeordnete mit Nein. Weniger auf Linie getrimmt erwiesen sich die Genossen, unter ihnen stimmten immerhin 14 gegen den Einsatz. Gleichwohl, wenn anschließend von breiter Zustimmung die Rede war, ist das nicht falsch.

Die mediale Öffentlichkeit dagegen ist von dem Sinn des Einsatzes keineswegs überzeugt. "Es handelt sich um eine Showveranstaltung und um eine risikoreiche dazu", glaubt etwa die Welt . Mit dem Einsatz würden Kräfte und Ausrüstung gebunden, die im "vielleicht blutigen Sommer" in Afghanistan viel dringender gebraucht würden. Ein außenpolitisches Gesamtkonzept, kritisiert der Kommentator, sei ebenfalls nicht erkennbar.

Dies bemängelt auch die Neue Osnabrücker Zeitung . "Durchgewinkt und abgenickt", hätten die Abgeordneten den Einsatz, heißt es dort. "Die Definition eines handfesten sicherheitspolitischen Ziels und des deutschen Interesses haben sie der Regierung erlassen. Spätestens, wenn es Tote und Verletzte geben sollte, wird sich das rächen."

Nachvollziehbare Gründe für den Einsatz vermisst trotz monatelanger Debatte auch weiterhin die Augsburger Allgemeine . "Nicht der Kongo selbst und seine Not sind der vorrangige Reisegrund unserer Soldaten, sondern die Politik und ihr Verlangen nach symbolischen Handlungen", schreibt das Blatt. Die Südwest Presse vermutet sogar, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich von dem französischen Präsidenten Jacques Chirac über den Tisch ziehen ließ. "Im Gegensatz zu Deutschland hat Frankreich im frankophonen Afrika wirtschaftliche und politische Interessen. Die sollen jetzt von deutschen Soldaten abgesichert werden", lautet hier der Einwand.

Nach wie vor weit verbreitet sind auch die Zweifel an der Wirksamkeit der Mission. "Unser Mini-Spähtrupp, der im Ernstfall nicht einmal den Flugplatz von Kinshasa verteidigen könnte, wird nach den Wahlen bestenfalls ohne Verluste abziehen. Die Europäer werden sich auf die Schulter klopfen, was für einen tollen (und millionenteuren) Auftrag sie erfüllt haben. Und die Menschen werden weiter hungern. Banden werden weiter marodierend über die Dörfer ziehen. Kindersoldaten werden weiter morden und ermordet werden. Und die politische Klasse wird so korrupt sein, wie heute schon. Was für ein toller Erfolg!", heißt es in der Mittelbayerischen Zeitung . Dass der Maßstab für den Erfolg indes wohl kaum die Befriedung des Kongos sein kann, interessiert dabei nicht.

Am knappsten und drastischsten bringt der Berliner Kurier seine Ablehnung auf den Punkt: "Der Kongo-Einsatz hätte nicht genehmigt werden dürfen. Unsere Jungs wollen dort nicht hin. Niemand marschiert gern in die Hölle", heißt es apodiktisch.