Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat ihre Generalprobe mit Bravour bestanden - und sogar die Abwehr erreichte ihr Ziel. Eine Woche vor dem Ernstfall gegen Costa Rica feierte der Gastgeber am Freitagabend in Mönchengladbach einen umjubelten 3:0 (2:0)-Sieg gegen Kolumbien und erfüllte damit zugleich die Forderung von Kapitän Michael Ballack, endlich wieder zu Null zu spielen.

Mit Ballack (21.) und Bastian Schweinsteiger (37.) brachten die beiden besten Akteure das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor 45 600 Zuschauern im Borussen-Park in Führung, ehe der eingewechselte Tim Borowski (69.) für den Endstand sorgte. Mit seiner überzeugenden Vorstellung entfachte das DFB-Team nach der Enttäuschung gegen Japan nicht nur die Euphorie wieder neu, sondern tankte auch enorm viel Selbstvertrauen für den Turnier.

Mit dem 15. Sieg im 27. Länderspiel unter Klinsmann feierte die deutsche Mannschaft einen gelungenen Abschluss ihrer 18-tägigen Vorbereitung. Unmittelbar nach Spielende verabschiedeten sich die Nationalspieler zu einem dreitägigen Pfingsturlaub nach Hause, ehe sie sich am Montagnachmittag im Schlosshotel Grunewald in Berlin wieder treffen. Bereits am Abend ist in der Hauptstadt ein erstes Training vorgesehen.

Im dritten Testspiel innerhalb von sechs Tagen strotzte das deutsche Team gegen die nicht für die WM qualifizierten Südamerikaner geradezu vor Spielfreude. Dabei setzte die Offensive die Glanzpunkte in einer Elf, die in dieser Formation auch gegen Costa Rica auflaufen dürfte. In seiner Lieblingsrolle hinter den Spitzen blühte Ballack regelrecht auf und glänzte mit Spielübersicht und gescheiten Pässen. Der Kapitän, der sich mit seiner öffentlichen Forderung nach mehr Sicherheit im Spiel auch selbst in Zugzwang gebracht hatte, riss von Beginn an die Initiative an sich und war Chef auf dem Platz. Nach seinem 31. Treffer im Nationaltrikot fehlt dem künftigen Londoner nur noch ein Tor, um die Länderspielmarke von Klaus Fischer einzustellen.

Neben Ballack setzte Schweinsteiger viele Akzente und war an den meisten guten Offensivaktionen beteiligt. Der Borussen-Park ist für den Münchner ein gutes Pflaster: Vor einem Jahr hatte er an gleicher Stätte beim 2:2 gegen Russland seine ersten beiden Länderspiel-Tore erzielt. Wesentlich effektiver als in der Vierer-Abwehrkette wie gegen Japan präsentierte sich Bernd Schneider im rechten Mittelfeld. Der von Arne Friedrich nach hinten abgeschirmte Leverkusener zeigte Übersicht und suchte auch selbst immer wieder den Abschluss. Damit scheint die Mannschaft ein System gefunden zu haben, das sich für das Eröffnungsspiel geradezu aufdrängt.

Nach der desolaten Vorstellung gegen die flinken Japaner wurde die Defensivabteilung von den Kolumbianern nur selten auf ihre Tauglichkeit hin getestet. Mit Rückkehrer Philipp Lahm konnte Klinsmann endlich wieder seine Wunschformation für die Abwehr aufs Feld schicken. Der Münchner legte sich in den Zweikämpfen keine Zurückhaltung auf und unterstrich mit starker Leistung seine Anwartschaft auf den Stammplatz hinten links.