In Tschechien haben am Freitagmittag die ersten Parlamentswahlen des Landes seit Beitritt zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 begonnen. Es gilt letzten Umfragen zufolge als möglich, dass es zu einem Sieg der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) von Oppositionsführer Mirek Topolanek kommt. In diesem Fall müssten die Sozialdemokraten (CSSD) von Ministerpräsident Jiri Parubek die Macht nach acht Jahren abgeben. Beide Parteien, die sich vor allem in der Finanz- und Europapolitik unterscheiden, liegen in Umfragen Kopf an Kopf. Sollten die Grünen (SZ) die Fünf-Prozent-Hürde überspringen, könnten sie zum Zünglein an der Waage werden.

Die Wahllokale schließen am Freitag um 22.00 Uhr. Die rund acht Millionen Wahlberechtigten können ihre Stimme auch am Samstag zwischen 08.00 und 14.00 Uhr abgeben. Mit ersten Hochrechnungen wird am Samstag gegen 16.00 Uhr gerechnet. In Tschechien wird traditionell am Freitag und am Samstag gewählt, da viele Tschechen den Sonntag im Wochenendhaus verbringen. Um die 200 Sitze im Prager Abgeordnetenhaus bewerben sich rund 5 000 Kandidaten von 25 Parteien.

Die größeren Tageszeitungen bezogen am Freitag in Kommentaren außergewöhnlich deutlich Stellung zur Wahl. Die liberale Mlada fronta Dnes und die konservative Lidove noviny , beide in der Hand der Rheinisch-Bergischen Verlagsgesellschaft (Düsseldorf), warnten vor einem möglichen Regierungsbündnis zwischen Sozialdemokraten und orthodoxen Kommunisten (KSCM). Hingegen warf die linksliberale Pravo der ODS eine unsaubere Endphase des Wahlkampfs vor.