ZEIT online: Herr Bobic, haben Sie nach dem 3:0-Sieg über Kolumbien neue Erkenntnisse das Leistungsvermögen der deutschen Mannschaft betreffend?

Bobic: Nicht wirklich.

ZEIT online: Keine Fortschritte im Vergleich zum Japan-Spiel?

Fredi Bobic: Natürlich, das sah doch alles wirklich schön aus. Wir haben die Kolumbianer wirklich niedergespielt. Allerdings wurde es der deutschen Mannschaft sehr viel leichter gemacht als gegen Japan.

ZEIT online: Warum so verhalten? Nach dem Japan-Spiel hätten manche viel dafür gegeben, wenn sie gewusst hätten, dass Deutschland dieses Spiel gewinnt.

Bobic: Zu Recht. Hier genau liegt die wichtigste Erkenntnis dieses Spiels: wäre es schief gegangen, hätte dies zu verheerenden Folgen führen können: eine Woche lang, Bis zum Eröffnungsmatch gegen Costa Rica hätten die Spieler gegrübelt, die Medien genörgelt und die Fans Trübsal geblasen. Das ist jetzt anders. Und das ist – wie ich aus eigener Erfahrung weiß – sehr wichtig.

ZEIT online: Ist Michael Ballack nicht der große Gewinner dieses Spiels? Alles, was er gefordert hat, wurde von Klinsmann umgesetzt: Er hat wieder im zentralen Mittelfeld gespielt, die Mannschaft hat die Defensive gefestigt und die Startaufstellung wird wohl auch gegen Costa Rica beginnen.

Bobic: Was Ballack gesagt hat, galt vor allem den Mannschaftskollegen. Er wollte sie sensibilisieren für die Wichtigkeit der Aufgabe und für die Tatsache, dass noch die meisten Spiele in der Abwehr gewonnen wurden. Dazu muss man manchmal an die Öffentlichkeit, jedenfalls, wenn man so unumstritten ist, wie Michael Ballack.

ZEIT online: Dennoch musste es Klinsmann wohl als Zurechtweisung empfinden.

Bobic: Das glaube ich nicht. Vielmehr könnte ich mir vorstellen, dass das zwischen den beiden abgesprochen war. So hätte Klinsmann nicht reden können, ohne unglaubwürdig zu sein. Da hat es Ballack für ihn getan.