Es war zunächst eine friedliche Demonstration gewesen, sagte Bruno Maranhão, Führer der "Bewegung zur Befreiung landloser Bauern" (MLST). Die rund 1.500 Protestierenden wollten eigentlich nur einen Brief übergeben, in dem sie eine Landwirtschaftsreform fordern. Unter anderem verlangten sie, dass Landgüter enteignet werden, deren Besitzer Arbeiter in sklavenähnlichen Verhältnissen halten.

Offenbar sollten die Bauern dann doch nicht empfangen werden. Daraufhin zertrümmerte ein Teil der Bauern die Fensterscheiben des Parlamentsgebäudes mit Steinen, Stöcken und Sensen und drang bis zum Plenarsaal vor, in dem die Abgeordneten tagten. Weite Teile des Abgeordnetenhauses wurden dabei zerstört.

Rund 500 Polizisten räumten das Gebäude. Die Demonstranten zogen sich anscheinend auch freiwillig zurück, als die Abgeordneten klar stellten, dass sie nicht verhandeln würden, solange das Gebäude besetzt werde. Mindestens 26 Landlose und Sicherheitskräfte wurden bei der Räumungsaktion verletzt, rund 500 Demonstranten festgenommen, unter ihnen MLST-Führer Maranhão. Das brasilianische Fernsehen übertrug die Ausschreitungen live im Fernsehen.

Die Opposition und Vertreter von Kleinbauern beklagen, dass der seit 2003 amtierende linksgerichtete Staatschef Luiz Inácio "Lula" da Silva die versprochene Agrarreform kaum vorangebracht habe. Sie war eines seiner großen Wahlversprechen. Die MLST wurde 1997 von Dissidenten der bekannteren und größeren "Bewegung der Landlosen" gegründet. Die Organisation ist nach eigenen Angaben nur in vier der 27 Bundesstaaten Brasiliens aktiv. Im April 2005 hatte die MLST erstmals mit der Besetzung des Finanzministeriums für Schlagzeilen gesorgt.

Der Landkonflikt hat in Brasilien allein seit der Rückkehr zur Demokratie 1985 mehr als 1200 Menschenleben gefordert. 20 Prozent der Bevölkerung besitzen 90 Prozent des Bodens. Dagegen verfügen die ärmsten 40 Prozent nur über ein Prozent des Landes.