100 Jahre alt wäre in diesen Tagen Josephine Baker geworden. Zahllose Geschichten ranken sich um das Leben der schwarzen Künstlerin. In den zwanziger Jahren wanderte sie von New York nach Paris aus. Junge Sängerinnen wie Madeleine Peyroux beziehen sich noch heute auf sie; Peyroux belebte unlängst Bakers J’ai deux amours .

Michael Pilz widmet der „Mutter aller Tänze“ anlässlich ihres runden Geburtstages in der Welt ein Porträt. Er stellt fest, ohne sie sähe selbst der HipHop trostlos aus. „Die Black Culture mag auf ihr Bewusstsein pochen. Aber seit die blasse Angestellte ihrem Leib in Jazz-Dance-Studios nachspürt und die deutsche Vorstadtjugend auftritt wie im Rap-Clip, äußert sich der so genannte Schwarze Ausdruck unbewusst und überall. Geführt hat Josephine Baker leibhaftig den Marsch vom schwarzen Vaudeville-Theater in die Disco. Vorher gab es Minstrel-Shows , wo schwarz geschminkte Weiße lächerliche Mohren spielten. Nachher kam der HipHop. Unterwegs blieben von Josephine Baker tiefe Spuren in den Formen Charleston, Jazz und Rock’n’Roll.“

Ob die Sportfreunde Stiller Spuren in der Popgeschichtsschreibung hinterlassen werden? Wohl eher nicht. Die fußballverrückten Musiker aus München sind musikalisch und textlich Grobmotoriker. Passend zur dieser Woche startenden WM haben sie mit You Have To Win Zweikampf ein Konzeptalbum abgeliefert. Schlagzeuger Florian Weber kommt parallel dazu mit einem Buch um die Ecke: einem Fußballroman. Der diplomierte Sportwissenschaftler hat darin aufgeschrieben, „wie ein fußballbegeistertes, zufällig auch Schlagzeug spielendes Ich und dessen größerer Bruder zusammen Fußball spielen, viel Alkohol zu sich nehmen, oft AC/DC hören, die Schule ignorieren, das andere Geschlecht entdecken und noch mehr Fußball spielen.“ Ein Glücksfall sei das You Never Walk Alone betitelte Buch ebenso wenig wie die Platte, schreibt Thomas Winkler in der taz .

Die Fingernägel kräuseln sich einem, wenn man an die Balladen-Band Chicago denkt. Gerade ist das 30. Album erschienen, ein Comeback-Versuch, den sich Josef Engels für die Welt anhört.

Der Titel XXX dürfte schon einmal einer der Gründe für die Feuilletonisten-Aversion sein, „dieser Chicago-Tick, aller (oder zumindest fast alle) Platten mit römischen Ziffern durchnumerieren zu müssen. So streberhaft! Und dann stellen sich ja auch noch umgehend diese peinlichen Erinnerungen ein. Wahlweise an aufgeschlossene Hippie-Eltern, die die Idee irgendwie ganz toll fanden, den Rock’n’Roll mit Jazzgebläse auf der Grundlage von George Russels lydischem Konzept zu domestizieren. Oder die zahllosen Klammer-Blues-Tänze in verschwitzten Polyester-Hemden zur Melodie von Hard To Say I’m Sorry . Brr.“

Gleichwohl wirkt der Welt -Kritiker gegen Ende seines Textes geradezu milde gestimmt: „Man kann sicherlich das ein oder andere bollerige Jubel-Gitarren-Solo bekritteln oder sich über den allzu zackig-zickigen Klang der Snare-Drum die Haare raufen. Aber man muss auch respektvoll eingestehen: nach hinten raus wird die Platte immer besser; einige Takte, in denen sich die Bläser lustvoll an der Rhythmusgruppe reiben, sind gar richtiggehend cool.“ Ob Engels da noch dieselbe Platte gehört hat?