Die US-Streitkräfte haben den neuerlichen Vorwurf von Gräueltaten der US-Militärs im Irak entschieden von sich gewisen. Bei den Szenen, die der britische Fernsehsender BBC am Donnerstag auf einem Amateurvideo gezeigt hatte und in denen erschossene Kinder und Zivilisten zu sehen sind, soll es sich um eine rechtmäßige Militäroperation gehandelt haben.

Die Soldaten hätten die Operation gestartet, weil sich in dem betreffenden Haus angeblich ein Unterstützer des Terrornetzwerkes El Kaida aufhielt. Das hüttenähnliche Gebäude sei auf Grund des heftigen Schusswechsels während der Aktion eingestürzt. Dabei seien der Terrorverdächtige, zwei Frauen und ein Kind ums Leben gekommen. Irakische Polizisten hingegen hatten berichtet, die Toten seien erschossen worden. Das US-Militär bestätigte, den Vorfall zu untersuchen.

Das Weiße Haus wehrte sich unterdessen gegen angebliche Kritik aus Bagdad: Die Aussage des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki, Übergriffe von US-Soldaten hätten sich mittlerweile zu einem "alltäglichen Phänomen" entwickelt, ist nach Angaben der US-Regierung falsch zitiert worden. Al-Maliki habe dies in einem Gespräch mit US- Botschafter Zalmay Khalilzad zum Ausdruck gebracht, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, am Freitag in Washington. Die neue irakische Regierung habe auch keine Frustration über die US- Truppen zu erkennen gegeben.

Die "New York Times" hatte Al-Maliki am Freitag hingegen mit den Worten zitiert, Übergriffe von US-Soldaten seien ein "alltägliches Phänomen" geworden. "Sie zerquetschen sie (die Iraker) mit ihren Fahrzeugen und töten sie nur auf Verdacht hin", sagte er. "Dies ist vollkommen inakzeptabel."

Doch Snow zufolge gibt es keine Spannungen im Verhältnis zwischen der US-Regierung und Al-Maliki. Präsident George W. Bush habe mehrfach seine Bewunderung für den irakischen Ministerpräsidenten zum Ausdruck gebracht. Al-Maliki sei jemand, der den Irakern Sicherheit und Stabilität bringen wolle

Nach dem Bekanntwerden des mutmaßlichen Massakers in Haditha hatte der britische Fernsehsender BBC am Donnerstag besagtes Video ausgestrahlt. Dem Sender zufolge handelt es sich um einen Vorfall vom März 2006 in der Stadt Ishaki, bei dem möglicherweise "elf unschuldige irakische Zivilisten" getötet worden seien. Der BBC sei das Video, auf dem Tote Erwachsene und Kinder zu sehen sind, von einer den Koalitionstruppen feindlich gesonnenen extremistischen Sunnitengruppe zugespielt worden, hieß es weiter.