Du musst ein Schwein sein in dieser Welt! Diesen Ratschlag gaben uns einst Die Prinzen. Aber gilt das auch für die Börse? Schneiden auch dort jene am besten ab, die am wenigsten Skrupel bei der Wahl ihrer Aktien haben? Manches spricht dafür. Wertpapiere der Rüstungsindustrie zum Beispiel sollen derzeit ein lukratives Investment sein – so heißt es in Marktanalysen. Die Militärausgaben seien nach den Konflikten in Afghanistan und Irak weltweit gestiegen und ein Rückfall auf das Niveau am Ende des Kalten Krieges sei nicht zu befürchten. Sollen wir also mit Kampfjets und Jagdpanzern für unsere Rente vorsorgen?

In der Tat scheinen die großen Rüstungskonzerne eine Renaissance zu erleben. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks schien es ja vorübergehend so, als sei die Zeit des Rüstungswahns vorüber. Die Aufträge der Kriegsminister gingen zurück und die Branche war zur Konsolidierung gezwungen. Doch erst der Golfkrieg, dann die Bomben auf Jugoslawien und schließlich der 11. September haben deutlich gemacht, dass so schnell kein Friede auf Erden einkehren wird.

Während die meisten Börsenkurse nach den Anschlägen in New York kräftig einbrachen, schossen die Aktien amerikanischer Rüstungskonzerne erst einmal in die Höhe. Auch die europäischen Hersteller von Tötungsmaschinen verschiedenster Art profitieren prächtig von der neuen Weltlage. Selbst das Nein mancher Regierung zum Irak-Krieg hat offenbar keinem Unternehmen geschadet. Gemessen an den Börsenkursen scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein: Die Aktie der deutschen Waffenschmiede Rheinmetall – mit Kampfpanzern wie Leopard und Puma im Sortiment – hat sich seit Beginn des Krieges nahezu verfünffacht und damit erheblich besser entwickelt als amerikanische Rüstungswerte. Und auch der Kurs des deutsch-französisch-spanischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS – Eurofighter, Kampfhubschrauber, Militärtransporter, Lenkwaffen – ist seitdem von sieben auf über 27 Euro gestiegen.

Trotz dieser Zahlen sind Rüstungsaktien aber keineswegs eine sichere Bank, auch nicht in Kriegszeiten. Sie sind sogar besonders riskant. Wie kaum eine andere Branche hängt die Rüstungsindustrie von politischen Entwicklungen ab. Hinzu kommt, dass die meisten Unternehmen auch auf zivilen Feldern aktiv sind – ein Mix, der die Aktien unberechenbar macht.

Bemerkenswert ist, dass die meisten Rüstungsaktien trotz des 11. Septembers über den Zeitraum von zehn Jahren betrachtet nicht über den Börsendurchschnitt hinaus kommen. Die Performance der beiden größten Hersteller von Rüstungsgütern, Lockheed Martin und Boeing, hinkt sogar deutlich hinter dem Dow Jones her – obwohl Rüstungsaktien vom Börsencrash 2000 weniger betroffen waren.