Ein von Abbas gestelltes Ultimatum war in der Nacht von Montag zum Dienstag ergebnislos abgelaufen. Die Fatah-Organisation von Abbas und die radikal-islamische Hamas von Ministerpräsident Ismail Hanija konnten sich jedoch nicht einigen. Abbas erklärte daraufhin, auf dem Weg zu einem Palästinenserstaat habe er nun keine andere Wahl, als die angekündigte Volksbefragung über eine Zwei-Staaten-Lösung einzuleiten. Stimmen die Palästinenser dem zu, bedeutet das praktisch die Anerkennung Israels in den Grenzen von 1967 - was die Hamas bislang ablehnt.

Das ist der Hauptstreitpunkte zwischen Abbas, der am Friedenskurs festhält, und der Hamas, die von Israel und der internationalen Staatengemeinschaft als Terrororganisation eingestuft wird. Strittig ist zwischen ihnen zudem die Kontrolle der Streitkräfte. Die Kämpfe rivalisierender Palästinensergruppen waren vor dem Ablauf des Ultimatums eskaliert. Bei Schießereien zwischen Anhängern der Fatah und der Hamas wurden in der Nacht zum Montag vier Menschen getötet.

Das in Aussicht gestellte Referendum zur Schaffung eines palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967 geht auf einen gemeinsamen Vorschlag ranghoher palästinensischer Gefangener von Fatah und Hamas zurück. Er sieht vor, die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO und Abbas zu beauftragen, mit Israel über eine Friedenslösung zu verhandeln. Das Referendum schlägt zudem die Einigung aller Palästinensergruppen unter der Schirmherrschaft der PLO vor.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert zeigt sich gegenüber der Fatah gesprächsbereit: Er ist zu einem Treffen mit Abbas bereit, wie er am Wochenende bei einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak ankündigte. Er versicherte, Israel bleibe der Road Map, dem internationalen Friedensplan, verpflichtet. Der Plan sieht die Gründung eines Palästinenserstaates vor.

Olmert warb um ägyptische Unterstützung für einen Teilabzug Israels aus dem Westjordanland. US-Präsident George W. Bush hat bereits signalisiert, dass er Olmerts Pläne grundsätzlich unterstützt. Israel will binnen vier Jahren seine Grenzen festlegen. Dabei sollen isoliert liegende Siedlungen im Westjordanland geräumt und die großen Siedlungsblöcke annektiert werden. Dieses Vorhaben will die Regierung notfalls auch einseitig verwirklichen, wenn die Palästinenser zu keiner Lösung bereit sind.