In dem seit Wochen festgefahrenen Tarifkonflikt um bessere Einkommen und Arbeitsbedingungen der 22.000 Uniklinikärzte kommt Bewegung . Der Verhandlungsführer der Länder, der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), und der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB), Frank Ulrich Montgomery, vereinbarten "zeitnahe Gespräche, um den Tarifkonflikt an den Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern zu entschärfen". Dies teilte der Marburger Bund mit. An der Uniklinik in Heidelberg wurde daraufhin die streikbedingte Verlegung von Patienten gestoppt.

Ärztevertreter Montgomery gab sich zuversichtlich. "Ich begrüße, dass sich die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) auf den Marburger Bund zu bewegt und gehe optimistisch in das Gespräch mit Herrn Möllring", sagte er. Gleichwohl sieht er keinen Anlass, den Druck auf die Arbeitgeber zu senken, ganz im Gegenteil: Der Marburger Bund will die Ärztestreiks an den Kliniken fortsetzen und in der kommenden Woche sogar ausweiten. An vielen der rund 40 Universitätskliniken und Landeskrankenhäuser werde es dann unbefristete Vollstreiks geben, kündigte Montgomery an. Die Ärzte streiken seit Mitte März.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Möllring, will nun in separaten Gesprächen mit Montgomery und mit dem ver.di-Chef Frank Bsirske nach einem möglichen Lösungsweg suchen. Unklar blieb, ob die Treffen noch in dieser Woche zustande kommen. Möllring betonte, gestritten werde nur noch über die Gehälter. Er schloss einen eigenständigen Tarifvertrag mit dem MB nicht aus. Bislang hatte er auf die Übernahme des Tarifvertrags mit ver.di bestanden, der vor einiger Zeit mit dem öffentlichen Dienst ausgehandelt wurde.

Unabhängig von den Gesprächen über die Tarifverträge für Ärzte an Landes- und Universitätskliniken finden derzeit auch Tarifverhandlungen für die rund 70.000 Ärzte an 700 kommunalen Kliniken statt. Auch hier drohen Streiks: Der Marburger Bund forderte die Arbeitgeber zu einem konkreten Tarifangebot auf und drohte mit einer Ausweitung des Arbeitskampfs auf die kommunalen Kliniken. "Die Ärzte in den kommunalen Krankenhäusern leiden unter denselben schlechten Bedingungen wie ihre Kollegen in den Unikliniken", sagte ein Sprecher. Für den Fall des Scheiterns der Gespräche rechnet der MB bei einer Urabstimmung mit einem deutlichen Streik-Votum.

Der Deutsche Landkreistag (DLT) wies die Forderungen an die Kommunen als "vollkommen überzogen" zurück. Grundlage für Gespräche müsse der bereits ausgehandelte Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TvöD) sein. Für weitergehende Forderungen gebe es weder Anlass noch finanziellen Spielraum.

Auf scharfe Kritik waren die Ärzte-Aktionen bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) gestoßen. "Mit der Ausweitung der Streiks und der dadurch notwendigen Verlegung von Patienten überschreitet die Ärztegewerkschaft endgültig die Grenzen sozialpartnerschaftlicher Verantwortung. Wenn der Marburger Bund ganze Abteilungen oder Einrichtungen räumt, nimmt er Tausende von Menschen in kollektive Geiselhaft", sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Ein höherer Abschluss als jener mit ver.di sei nicht akzeptabel.