Unbestätigten Berichten zufolge sind am Donnerstag etliche Patienten mit Symptomen in Arztpraxen aufgetaucht, die sie schon lange nicht mehr hatten. Insbesondere waren dies Schwitzen, Zittern oder Erstickungsgefühle, Beklemmungsgefühle in der Brust und Übelkeit, vereinzelt berichteten die Patienten sogar, dass sie der Ohnmacht nahe waren. Nach einem eingehenden Gespräch kamen die Ärzte einhellig zu der Diagnose, dass die Patienten unter Panikattacken litten. Fußballtechnische Gründe konnten  bei der Suche nach den Ursachen schnell ausgeschlossen werden - schließlich hatte die Fußball-WM am Donnerstag noch nicht begonnen. Stattdessen waren die Symptome durchweg nur bei Patienten anzutreffen, die an den Aktienmärkten aktiv waren. Es waren Anzeichen einer kollektiven Aktienmarktpanik.

Panikattacken bei Investoren kommen selten so geballt vor wie in der vergangenen Woche. Wenn sie aber derart massenhaft auftreten, sind sie bedeutsam für die weitere Kursentwicklung. In der Regel entstehen sie, wenn sich innerhalb eines Abwärtstrends der Verkaufsdruck so sehr verstärkt, dass an einem Börsentag die Umsätze stark ansteigen und viele, die noch kurz vorher recht zuversichtlich waren, nur noch eins wollen: Die in ihrem Bestand befindlichen Aktien so schnell als möglich loswerden.

Das könnte auch eine gute Nachricht sein, denn Panikattacken und ein ausgeprägter Verkaufsdruck sind meist die deutlichen Anzeichen für das Ende einer Abwärtsbewegung. Wenn keiner mehr in Aktien zu investieren bereit ist, stellt dies das beste Umfeld dar, um entgegen dem Trend zu investieren. Dennoch griffe man zu kurz, interpretierte man jede kleine Panikattacke als Zeichen der herbeigesehnten Trendwende. Merke: Panik gehört zu einer Trendwende dazu, aber nicht jede Panikattacke ist auch gleich das Startzeichen zu einem neuen Aufwärtstrend. Vielmehr ist zugleich auch eine nachhaltige Furcht notwendig.

Die aber ist derzeit noch nicht zu spüren. Bereits am Freitag gingen die Märkte wieder leicht nach oben, und Umfragen deuten darauf hin, dass die mittelfristige Einschätzung weiterhin sehr gelassen ist. Ganz nach dem Motto: Die Märkte sind nun schon so weit zurückgekommen, und die Panik war auch schon festzustellen, da kann der Wendepunkt nicht mehr weit sein. Aber leider funktionieren solche Vereinfachungen meist nicht.

Natürlich hat sich durch die Panikattacke erst einmal der Druck wieder etwas verringert. In solch einer Situation neigen Investoren dazu, unüberlegt zu handeln. Die Folge davon ist, dass die Aktien von den so genannten "zittrigen Händen" zu Anlegern übergegangen sind, die nicht sofort wieder verkaufen wollen. Kurssteigerungen nach solch einem sell out sind typische Reaktionen. Nur, was war am Freitag? Nahezu nichts. Die Kurse sind tagsüber gestiegen, die US-Märkte am Schluss dagegen schon wieder ins Minus abgedreht. Das ist noch keine nachhaltige Trendwende.