Gewonnen, immerhin. Das 4:2 über Costa Rica ist wenigstens ein klares Ergebnis. Es lässt die deutschen Fans im ganzen Land feiern – auch wenn es Kritik an der Mannschaftsleistung gibt.

Die besten Plätze vor den rund 200 Großbildleinwänden, die landauf landab aufgestellt worden waren, eroberten die ersten Unentwegten schon Stunden vor Beginn des Deutschland-Spiels gegen Costa Rica in München. Von Anfang an war die Stimmung fröhlich und international. Überall Musik und Tanz. Und recht gemischt, wie die Leistung des Klinsmann-Teams. Auf dem Hamburger Heiligengeistfeld mischten sich Samba-Rhythmen mit eher drögem Liedgut von 1974: "Fußball ist unser Leben".

Den eher durchwachsenen Start erlebten die Fans in einem Wechselbad der Gefühle ( ZEIT online bloggte live). Jubel, Trubel schon in der 6. Minute nach dem schnellen 1:0 von Philipp Lahm, Ernüchterung nach nur 12 Minuten durch das 1:1 von Wanchope. Auf Kurs brachte das Klinsmann-Team dann Klose mit seinen Treffern in der 17. und 61. Minute. Übermütige stimmten auf einigen Festmeilen schon den neuesten Fußball-Hit "Fiiiinaaalle, ohohooho" an. Wieder Wanchope zum 2:3 in der 73. Minute – das dämpfte die Stimmung. Schließlich Jubel ohne Grenzen auf allen Party-Meilen, als Frings zum 4:2 in der 86. Minute den Abend rund machte.

“Die Welt zu Gast bei Freunden“ - das Motto der WM wurde an den Schauplätzen mit spontaner Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft umgesetzt. Zu spät gekommene Schweden, die mit ihren Wohnmobilen durch Dortmund irrten, ließen sich von Einheimischen durch die Stadt zu den Stellplätzen lotsen. In der Westfalenhalle zeigten sich die dankbaren Skandinavier beim Start eines „Oktoberfestes“ mit traditionellem Fassanstich dann ganz fasziniert von diesem deutschen Brauch und prosteten den Gastgebern kräftig zu.

Rustikales im Revier, Klassisches am Rhein: Das Beethoven-Orchester spielte auf dem Bonner Münsterplatz in Trikots der japanischen Nationalmannschaft den Triumphmarsch aus Verdis „Aida“, und der Radioreporter Günther Koch kommentierte den ersten Satz aus Beethovens Fünfter im Stil einer Fußballreportage. Erlaubt ist, was gefällt. In Hannover begann das Fanfest ebenfalls vor internationalem Publikum, und zwar mit einem Trommelkonzert.

In Potsdam eröffnete am Brandenburger Tor Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) die Fan-Meile mit den merkwürdigen Worten: „Im Mittelpunkt allen Lebens steht in den kommenden vier Wochen der Fußball.“ An politisch historische Momente erinnerten sich am Brandenburger Tor in Berlin viele Besucher. „Seit dem Mauerfall war hier nicht mehr so viel Schwarz- Rot-Gold“, sagte ein Fan.

Das strenge Sicherheitskonzept bewährte sich bis zum Spielbeginn am frühen Abend rund um alle Fan-Feste. Nach einem ersten Überblick der Polizei gab es keine ernsten Zwischenfälle. Kaum jemand murrte über die Taschenkontrollen und Leibesvisitationen.

Darf man da noch Kritik üben? Man muss! Der beste Mann auf dem Platz, Philipp Lahm, kommentierte: „Das war nicht zu 100 Prozent perfekt. Aber ich glaube, damit kann man im Eröffnungsspiel leben. Wir haben vier Tore gemacht. Das ist wichtig. Nur ist es klar, wir dürfen nicht mehr so viele Tore kassieren.“ Der Linksverteidiger zeigte sich im Spiel recht häufig weit vorne, in der Nähe von Miroslav Klose. Dessen Kommentar: „Die Probleme haben wir uns selbst zuzuschreiben, weil wir vieles aus dem Stand machen wollten. Wir müssen bei Ballverlusten schneller umschalten.“

Der Spielbericht als Gedicht

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