Auf den ersten Blick hat die neueste Debatte über die Abschaffung des Ehegattensplittings alle Merkmale einer typischen Sommerloch-Diskussion. Draußen ist es heiß, über die großen Themen wird derzeit nur hinter verschlossenen Türen verhandelt und die treibenden Akteure sind zwei weitgehend unbekannte Abgeordnete. Gleichwohl, der Vorschlag, mit dem die Unionspolitiker Ole Schröder und Michael Kretschmer sich nun hervorwagten, könnte mehr sein, als nur ein Pausenfüller. Die Abschaffung des Ehegattensplittings zu fordern, ist zwar beileibe nicht neu, es ist jedoch das erste Mal, dass ein entsprechender Vorstoß aus dem konservativen Lager gemacht wird.

Familienministerin Ursula von der Leyen erteilte den beiden Vorpreschern am Dienstag zwar erst mal eine kühle Absage. "Eine Änderung an der jetzigen Regelung wird von uns nicht angestrebt", sagte ein Sprecher des Familienministeriums ZEIT online . Die Beibehaltung des Ehegattensplittings sei auch im Koalitionsvertrag festgehalten worden.

Dass sie im Ministerium gleich offene Türen einrennen, dürften die beiden Abgeordneten aber wohl ohnehin nicht erwartet haben. Nichts desto trotz passt ihr Vorhaben nicht schlecht in die von der Union derzeit vorsichtig ausprobierte Neuorientierung der Familienpolitik, wie Ministerin von der Leyen sie mit ihrem Elterngeld-Gesetz und den Erziehungsmonaten für Väter ebenfalls betreibt.

So sieht es auch die CDU-Familienpolitikerin Antje Blumenthal. "Der Vorschlag ist ganz eindeutig ein Zeichen dafür, dass in der Union ein Umdenken in Sachen Familienpolitik begonnen hat", sagte die 58-Jährige, die Mitglied der entsprechenden Unionsarbeitsgruppe ist, ZEIT online . Sie selbst findet die Anregung der jüngeren Kollegen begrüßenswert. "Es ist an der Zeit, dass diejenigen entlastet werden, die die Kosten haben", glaubt sie.

Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Weltwirtschaft (DIW) kostet das Splitting   den Staat jedes Jahr 22 Milliarden Euro. 43 Prozent davon kommen aber Kinderlosen zugute. Kretschmer und Schröder schlagen vor, dass künftig nach französischem Vorbild mitverdienende Partner und Kinder mit eigenen Begünstigungsfaktoren in die Steuerberechnung einfließen sollen. Bislang können Ehepartner ihr jeweiliges Einkommen gemeinsam veranschlagen, was vor allem dann zu großen Steuervorteilen führt, wenn einer von beiden deutlich weniger verdient als der andere.