Das Spiel England gegen Paraguay war, gelinde gesagt, eine Enttäuschung. Vor allem von Seiten des englischen Teams. Obwohl das frühe Tor nach nur drei Minuten – ein Kopfballeigentor nach einem scharf hereingezogenen Freistoß von David Beckham -  eigentlich hätte beflügelnd wirken müssen. Paraguay war nach dem schnell eingetretenen Rückstand und dem Verlust des Stammtorhüters durch Verletzung nach nur 10 Minuten sichtlich schockiert und vermochte 25 Minuten lang kaum ins Spiel zu kommen.

Aus englischer Sicht konnte man mit der ersten Halbzeit gerade noch zufrieden sein. Doch machten sich selbst da schon alte Schwächen bemerkbar, die Erikson in fünf Jahren als Manager nicht hat ausmerzen können. Wenn er sie denn überhaupt wahrgenommen hat.

Es gab kaum einmal schnelles, überraschendes Kombinationsspiel. Allzu häufig wurden lange Bälle nach vorn getreten, die dann beim Gegner landeten. In den letzten 15 Minuten der ersten Hälfte schlug David Beckham den Ball aus der eigenen Abwehr gleich dreimal vor die Füße eines gegnerischen Mittelfeldspielers. Paraguay vermochte daraus allerdings kein Kapital zu schlagen.

In der zweiten Halbzeit wurde das südamerikanische Team stärker - allen voran Valdez, der bei Werder Bremen sein Geld verdient - ohne allerdings allzu viele zwingende Chancen herauszuspielen. Die Engländer wurden in die Defensive gedrängt. Nur noch selten vermochten sie, und dann zumeist über Joe Cole, Erfolg versprechende Spielzüge hinzulegen. Cole, von Erikson lange vernachlässigt, war neben Stephen Gerard einer der Lichtblicke im englischen Team. David Beckhams Freistoß entschied zwar das Spiel. Seine Leistung war aber kaum mehr als mittelmäßig.

Überhaupt mangelte es dem Spiel Englands an Kreativität und präzisen Pässen. Taktik und Auswechslungen verschärften das Problem, anstatt es zu lösen. Nach 55 Minuten holte Erikson mit Michael Owen einen Stürmer vom Platz und ersetzte ihn durch den international kaum erprobten Mittelfeldspieler Downing. Als Auswechselstürmer saß nur der 17jährige Theo Walcott auf der Bank, dessen Einsatz Erikson offenbar garnicht zu erwägen schien. Was die Frage aufwirft, warum er ihn dann überhaupt mitgenommen und sich nicht wenigstens einen weiteren fertigen Stürmer wie Defoe ins Aufgebot geholt hat. Die Diskussionsrunde in der BBC, geleitet von Exnationalspieler Gary Lineker, machte aus ihrem Entsetzen über Eriksons Taktik und Personalpolitik keinen Hehl. Bislang hatte man in dieser Hinsicht eher still gehalten und darauf gehofft, dass die Mannschaft trotz Erikson überzeugen werde. Nun befürchten viele das Schlimmste.

Das ist verständlich. Knüpft doch der schwedische Manager in Frankfurt beunruhigenderweise exakt dort an, wo er bei der WM 2002 und bei der EM 2004 aufgehört hatte. Er schwächt die kreativen Elemente, ersetzt Stürmer durch Mittelfeldspieler und zwingt sie in eine riskante Defensive. Er lässt "italienisch" spielen und beraubt die Mannschaft ihrer ureigenen Stärke, nämlich des Angriffsfußballs.