In seinem nahezu aussichtslos scheinenden Kampf um einen Zusammenschluss mit der Mehrländerbörse Euronext erhält der Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, zunehmend Unterstützung aus dem politischen Lager und aus Bankenkreisen. Bereits am Dienstag hatte der französische Staatspräsident Jacques Chirac für eine "deutsch-französische Lösung" plädiert. Nun sprach sich auch der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, für eine Börsenfusion innerhalb Europas aus. Unter sonst gleichen Bedingungen sei eine solche Lösung "besser als eine externe Option", sagte Trichet.

In Frankreich wächst die Skepsis gegenüber der geplanten Fusion von Euronext mit der New Yorker NYSE. Die Kritiker, unter ihnen die Bank BNP Paribas, der Ex-Arbeitgeberchef Ernest-Antoine Seilliére und die Lobbyisten-Vereinigung für einen starken Finanzplatz Paris, Paris Europlace, bemängeln vor allem die Eile, mit der Euronext-Chef Jean-Francois Théodore den Zusammenschluss vorantreibt.

Die Vorbehalte der Franzosen ähneln allerdings jenen, die sie auch gegen ein Zusammengehen mit der Deutschen Börse anführten. Sie befürchten vor allem, von den New Yorkern dominiert zu werden. Darüber hinaus bereitet Ihnen eine mögliche Ausweitung der strengen US-Börsenregeln, wie sie etwa im Sarbanes-Oxley-Gesetz niedergelegt sind, auf Euronext Sorgen.

Auch der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück, Bundeskanzlerin Angela Merkel und die italienische Regierung treten inzwischen offen für eine europäische Börsenfusion ein. Der italienische Wirtschafts- und Finanzminister Tommaso Padoa Schioppa sprach sich für eine Fusion von Euronext, der Deutschen Börse und der Mailänder Borsa Italiana aus. Eine föderale europäische Börsenallianz dieser drei Betreiber sei die ideale Lösung, sagte er. Angeblich unterstützen auch die Aktionäre der Mailänder Handelsplattform diese Option. Derzeit verhandeln Euronext und die Borsa Italiana über eine mögliche Fusion. Die Italiener halten sich aber auch andere Möglichkeiten offen.

In Paris versuchten Francioni die Skepsis gegenüber der NYSE für sein Werben um die Euronext-Anteilseigner auszunutzen. Er und der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Kurt Viermetz, kamen in der französischen Hauptstadt mit Aktionären von Euronext und Vertretern von Paris Europlace zusammen.  Sie stießen jedoch auf ein verhaltenes Echo. Während eine deutsche Zeitung berichtet, die Deutsche Börse könne den Baranteil ihres Angebots noch erhöhen, schrieb eine französische Zeitung, die Frankfurter seien nicht über ihr ursprüngliches Angebot hinausgegangen. Sie hätten somit die Euronext-Aktionäre nicht überzeugen können.

Der deutsche Börsenchef habe die französische Finanzszene mit einem Zeitungsinterview "enttäuscht oder sogar verärgert", hieß es in dem Pressebericht weiter. Er habe das Frankfurter Angebot als Fusion unter Gleichen bezeichnet und einer Übernahme von Euronext durch die Wall Street entgegengestellt, obwohl es sich in beiden Fällen um eine Übernahme handele. Zudem spreche er von einem föderalen Modell, während Euronext eine geplante Zentralisierung der Funktionen in Frankfurt anprangere.