Die Mehrländerbörse Euronext NV (Amsterdam) gehört fast ausschließlich institutionellen Investoren. Alleine zwei Drittel der Anteile liegen bei angelsächsischen Fonds. Nur 0,8 Prozent der Anteile gehören Einzelpersonen und weitere 0,8 Prozent den Beschäftigten. 1,1 Prozent werden von Euronext selbst kontrolliert. Die Fonds bestimmen also, ob und mit wem Euronext fusionieren wird. Doch ihre Interessen laufen auseinander.

Viele traditionelle Eigner der Aktienbörsen von Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon bereuen heute, dass sie vor Jahren Kasse gemacht und mit ihren Anteilen auch ihren Einfluss auf die Börse verkauften. So haben französische Banken zehn Prozent Anteile zurückgekauft, um Euronext bei der Verteidigung seines föderalen Modells zu helfen. In Paris notierte Unternehmen erwarben »unter fünf Prozent«. Banken und Konzerne fürchten eine Monopolbörse, die auch das nachgelagerte Geschäft beherrscht und ihre Kunden entsprechend abkassiert.

Alleine 36,5 Prozent der Euronext-Anteile liegen nach letzten der Euronext vorliegenden Informationen bei US-Anlegern und 28,5 Prozent bei britischen Investoren. Nur 19,1 Prozent sind in französischer Hand. Mit 3,9 Prozent sind Italiener, mit 3,1 Prozent Niederländer und mit einem Prozent deutsche Institutionen dabei. Staaten sind im Aktionärskreis praktisch nicht vertreten.

Größte Einzelaktionäre sind zwei Hedge-Fonds: The Children's Investment Fund Management (TCI/London) mit zehn Prozent und der US- Fonds Atticus mit neun Prozent der Anteile. Atticus ist auch mit rund fünf Prozent Anteilen drittgrößter Aktionär der Deutschen Börse und mit sechs Prozent größter der NYSE. TCI ist mit rund zehn Prozent auch Großaktionär der Deutsche Börse AG. Beide Hedge-Fonds drängten zunächst auf eine Euroland-Fusion. Doch nach dem Angebot der NYSE ist Atticus jetzt für die transatlantische Fusion, TCI drängt auf eine Fusion Euronext/Frankfurt.

Die renditeorientierten Spekulationsfonds haben bei Euronext die Ausschüttungen hochgetrieben. In diesem Jahr zahlt Euronext rund 450 Millionen Euro Dividende. 2006/2007 soll den Aktionären über Dividenden und Aktienrückkäufe eine Milliarde Euro zufließen.