Die diesjährige Hurrikan-Saison dürfte zerstörerisch werden, auch wenn die vorhergesagten Wirbelstürme nicht ganz die Häufigkeit und Wucht wie die letztjährigen aufweisen werden – so lautet die Prognose der amerikanischen „National Ocean and Athmospheric Administration“ (NOAA) . Es sei mit 13 bis 16 Stürmen zu rechnen, denen aufgrund ihrer Stärke Namen gegeben werden (die Saison beginnt mir „Alberto“); von ihnen dürften acht bis zehn sich zu Hurrikanen aufschaukeln, und vier bis sechs unter ihnen könnten die Kategorie 3 oder eine höhere erreichen („Katrina“ hatte die Kategorie 4). Sagt die NOAA.

Die Präzision der genannten Ziffern lässt ein wenig wundern angesichts des von vielen Faktoren abhängigen Windgeschehens , doch dass auch diese Saison zu den aktiven gehören wird, scheint angesichts der Randbedingungen entschieden zu sein; in den Hurrikanregionen des Atlantiks befinden sich zurzeit die strömungsbedingt periodischen Schwankungen der Temperatur an der Wasseroberfläche auf einem Höhepunkt, und sie liefert Hurrikanen die Energie. Allerdings spielen auch überregionale und regionale Windverhältnisse eine Rolle; die Scherwinde, die einen entstehenden Wirbelsturm auseinander reißen können, sind derzeit eher schwach; auch die gegenwärtig erhöhte Luftfeuchtigkeit dürfte zu häufigerer Hurrikanbildung beitragen. Das Ausmaß und die Richtung, in dem Staub in der Luft (Ursprungsort: die Sahara) die Entstehung, Wucht und Lebensdauer eines Wirbelsturms beeinflusst, ist derzeit Gegenstand von Diskussionen.

Nach dem Berg kommt ein Tal, und es darf angenommen werden, dass die kommenden Jahre auch wieder Rückgänge des Windgeschehens über dem Atlantik erleben werden. Damit ist aber noch nicht ausgeschlossen, dass die zyklische Schwankung von einem anderen Signal moduliert wird, das sich womöglich auf die Schlagkraft der heftigsten unter den Hurrikanen auswirkt: der globale Temperaturanstieg. Allerdings lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Die auf der Skala weniger Jahrzehnte oszillierende Temperaturschwankung, um die es hier geht, wird leider erst seit 150 Jahren gemessen. Allerdings deuten Spuren, die das Klima früherer Zeiten im Eis und in Bäumen hinterlassen hat, darauf hin, dass es sich um eine natürliche Periodizität handelt. Ihr könnte freilich die globale Erwärmung ein Signal aufprägen – ob das der Fall ist, wird zurzeit unter Experten heftig diskutiert . Da sind noch viele Fragen zu beantworten , etwa diejenige, ob es für das Sturmgeschehen primär auf die Temperaturentwicklung in der Region ankommt oder ob es von Faktoren beeinflusst wird, die von der globalen Erwärmung verstärkt werden.

Die hat übrigens nachgelassen, genauer: Wie das U.S. National Climate Data Center zeigen kann, sind die Temperaturen zwischen 1998 und 2005 sogar ein wenig gesunken. Der Trend zur Erwärmung wird jedoch anhalten, darüber gibt es in der Wissenschaft keinen Dissens. Das „Stottern“ des Trends indes wird von einer Minderheit als Zeichen dafür gesehen, dass es sich bei ihm um einen natürlichen Übergang zu einer Warmzeit handeln könnte, wie es sie in römischer Zeit (200 v.Chr. bis 600 n.Chr.) und im Mittelalter (950-1300) gegeben hat. Theoretisch noch nicht ganz aufgelöst, ist auch immer noch das Problem, das sich daraus ergibt, dass die globale Erwärmung rund 50 Jahre begonnen hat, bevor der Mensch signifikante Mengen Kohlendioxids in die Atmosphäre pustete. Der Mainstream der Klimaforschung ist sich gleichwohl gewiss, dass die gegenwärtige Erwärmung auf Abgase zurückzuführen sei.

Unterdessen schärft sich der Konsens über die Folgen: Nach Lage der Dinge wird mehrheitlich eine Erhöhung der Temperatur am unteren Rand der bisherigen Schätzungen erwartet; bis zum Ende dieses Jahrhunderts dürfte sich die Menge des Kohlendioxids in der Atmosphäre verdoppelt haben, was einen Temperaturanstieg knapp über 1,5 Prozent erwarten lässt. So sieht es im Moment der Mainstream.