Vom kommenden Montag an werden in der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien wieder die Vertreter ihrer Mitgliedsstaaten zusammentreten. In einem internen Bericht über das Atomprogramm Irans, den der IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei heute abgab und der ZEIT online vorliegt, zieht der Friedensnobelpreisträger eine düstere Bilanz:

Immer noch lässt Iran eine vollständige Aufklärung aller Umstände vermissen, die erklären könnten, weshalb an mehreren nukleartechnischen Standorten des Landes Spuren hochangereicherten Urans gefunden wurden. Intransparent ist außerdem – nach wie vor – die Geschichte des Programms, mit dem sich Teheran Anreicherungstechnik beschafft hat. Nachdem Teheran großspurig verkündet hatte, an neuen Zentrifugentypen für die Urananreicherung zu arbeiten, verweigerte das Regime jede Antwort auf die Frage der IAEA nach den Einzelheiten.

Ebenso hält Teheran entgegen den wiederholten Bitten der "Agency" Dokumente unter Verschluss, die auf die Frage nach dem friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms Antwort geben könnten. Kontakte mit Atomwissenschaftlern werden auch weiterhin nicht in dem von der IAEA gewünschten Umfang genehmigt, und die Offiziellen des Landes sind zu keinerlei Aufklärung über chemische und raketentechnische Aktivitäten bereit, die auf ein Waffenprogramm hindeuten könnten.

Der Bericht informiert auch darüber, dass am Mittwoch dieser Woche in der Anlage Isfahan die Arbeiten zur Konversion von Uranoxidpulver in Uranfluor-Gas wieder aufgenommen wurden; dieses Gas ist der Ausgangsstoff für die Anreicherung. Am Anreicherungs-Standort Natanz wiederum wird, ebenfalls seit Mittwoch, wieder Urangas in Zentrifugen gefüllt. Neben der bisher bekannten Kaskade aus 164 Zentrifugen wird zur Zeit eine zweite zusammenmontiert. Alle diese Arbeiten werden von den IAEA-Inspektoren während regelmäßiger Besuche in Augenschein genommen; Iran weigert sich aber, die Aktivitäten rund um die Uhr via Fernmessnetz überwachen zu lassen.

Alles in allem gibt der kurze Bericht ein bedenkliches Bild wieder, das demjenigen des vorigen Berichts entspricht: Iran ist bislang nicht zu einer vertrauensbildenden Kooperation bereit. Dennoch könnte es sein, dass auf anderer, politischer Ebene die Atomdiplomatie der vergangenen Tage Bewegung ins Spiel gebracht hat.

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