Vor der ersten Runde hatte Irans Trainer Branko Ivankovic gesagt, was alle Trainer von Außenseitern sagen. "Wir kommen nach Deutschland, um für Überraschungen zu sorgen. Es gab ja Korea und Japan in 2002. Warum nicht wir, dieses Jahr?" In der Tat, die Überraschung wäre den Iranern eventuell gelungen, wenn sie zu Hause gespielt hätten, wie damals die Koreaner. Im Nürnberger Stadion waren leider nur einige zehnttausend iranische Zuschauer anwesend. Zu wenig Kulisse für ein Wunder.

Wohlgemerkt sah es für das Team der Bundesligaspieler Hashemian, Mahdavikia und Karimi am Anfang gut aus. Ohne Glanz, aber auch ohne Langweile spielten beiden Mannschaften auf hohem Tempo einen ausgeglichenen Fußball, was sich im Ergebnis widerspiegelte. In der 28. Minute leitete Pavel Pardo mit einem weiteren Freistoß von rechts die Führung für die Mexikaner ein. Franco verlängerte per Kopf zu Bravo, der sofort aus vier Metern reagierte und vollendete. Der Einsatz der gut organisierten und kämpferischen Iraner ermöglichte jedoch kurz danach den Ausgleich. Nach einer Ecke von Mahdavikia nutzte Golmohammadi das Durcheinander der mexikanischen Abwehr und schob, durch die Beine eines Verteidigers, den Ball unter die Latte von Torwart Oswaldo Sanchez.

Das Unentschieden zur Pause beglückte natürlich die Iraner, die zum dritten Mal bei einer Weltmeisterschaft auftreten und bis jetzt immer in der Vorrunde ausschieden. Der Verlauf des Spieles aus mexikanischer Sicht erklärte dagegen, warum der Trainer Ricardo La Volpe mit der heimischen Presse nicht mehr spricht. Seit dem Sieg der Mexikaner über Brasilien beim Confed Cup in Deutschland vor einem Jahr steht La Volpe in der Kritik wegen der eher durchschnittlichen Leistungen seiner Mannschaft. Zurecht - die ersten 45 Minuten bestätigen, dass der Ruf der Mexikaner besser als ihr reales Niveau ist.

Doch das Versprechen der Iraner verwandelte sich in der zweiten Halbzeit langsam zu einer Enttäuschung, als sich herausstellte, dass die Mannschaft an die Grenzen ihre Kapazitäten gestoßen war. Die Mexikaner verschärften den Druck und belagerten bald den Strafraum der Perser, die immer passiver spielten und offenbar im physischen Bereich Defizite haben. In der letzten 15 Minuten erhöhten die Mittelamerikaner das Tempo und überforderten damit ihren Gegner völlig. Auch die Wechsel trugen dazu bei, dass die Partie einseitig wurde. Der verletzte Jared Borgetti wurde durch den Stürmer Francisco Fonseca ersetzt, der deutlich mehr Schwung in das Spiel des Vierten der Weltrangliste brachte. Und so war es ganz logisch, dass Bravo und der eingebürgerte Brasilianer Zinha zwei Tore in der 76. und 79. Minute schossen.

Langweilig ist die Gruppe D bestimmt nicht, im Gegensatz zu den Meinungen vor der WM. Aber eins ist sicher: Die Mannschaften, die sich in der Gruppe D für das Achtelfinale qualifizieren werden, heißen Mexiko und Portugal. Das Fußballbegeisterte iranische Volk wird noch vier weitere Jahre warten müssen, bis die Melli eine Vorrunde übersteht, wenn überhaupt – dann aber ohne Helden wie Ali Daei oder Vahid Hashemian. (axw)

Zum Spielbericht "

Gruppe D "