Strahlende Sonne, blaues Meer, gelber Sand: Mogadischus Strand bietet alle Zutaten für ein Touristenparadies. Selbst die Brandung scheint wie geschaffen für Wellenreiter. Doch ist der Strand menschenleer. Massive Dünen bilden eine natürliche Grenze zwischen Meeresufer und Stadt, zwischen Traum und Wirklichkeit.

Die Wirklichkeit holte den Besucher bis vor kurzem spätestens beim ersten Checkpoint auf dem Weg in Richtung Innenstadt ein. In Mogadischu gab es etwa vierzig davon. Halbwüchsige Kalaschnikowträger hockten auf Straßensperren aus aufgetürmtem, verrostetem Kriegsschrott – in Erwartung des nächsten Geschäfts: Wegzoll. Der Profit ging an die mächtigen Warlords von Mogadischu. Auch die zu Flughäfen deklarierten Sandpisten um die Stadt kontrollierten die Kriegsherren. Und selbst die wenigen UN-Flieger zahlten brav stattliche Landegebühren.

Das soll jetzt vorbei sein. Islamistische Milizen der elf selbst ernannten Schariagerichte Mogadischus haben die durch die internen Flüchtlingsströme wohl fast eine Million Menschen zählende Stadt unter ihre Kontrolle gebracht. In Anbetracht fehlender Zentralgewalt hat sich so eine Judikative proklamiert und kurzerhand mit exekutiver Gewalt ausgestattet. Die bisher in  Mogadischu herrschenden Warlords wurden offensichtlich verjagt, zumindest vorerst. Dabei starben allein in den letzten Wochen mehr als 350 Menschen. Gekämpft wird dabei auch in Wohnvierteln mit schwerem Gerät. Für die USA sind die Islamisten in Mogadischu ein herber Rückschlag im weltweiten Antiterrorkrieg, werden doch nicht zuletzt auch in Somalia Hintermänner des 11. September vermutet.

Seit dem Sturz des Diktators Siad Barré im Jahre 1991 gibt es in Somalia keine zentrale Regierungsgewalt mehr. Bislang gab es 14 Versuche, eine Zentralregierung zu bilden. Die international anerkannte Übergangsregierung unter Abdullahi Yusuf ging 2004 aus einer Friedenskonferenz im benachbarten Kenia hervor. Zwar integriert sie fast sämtliche Warlords in ihr 91-köpfiges Kabinett, ist aber zutiefst gespalten und letztlich ohne großen Einfluss. So erlaubt das von Gewaltfraktionen zersetzte Mogadischu nicht einmal den dortigen Aufbau eines Regierungssitzes – der befindet sich momentan im Städtchen Baidoa.

US-Präsident Bush äußerte jüngst die Befürchtung, Somalia und speziell Mogadischu könnte nun zu einem sicheren Hafen der al-Qaida werden. Hinter den Kulissen drückt sich die US-Regierung weniger diplomatisch aus: Es ist ein offenes Geheimnis, dass die CIA über ihre Dependance in Kenia allein im vergangenen Jahr mehrere hunderttausend Dollar an die säkularen Warlords der großspurig selbst betitelten "Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terror" ausgezahlt hat.

Bei aller Vorsicht ob der dürftigen Informationen, die aus Mogadischu in die Welt sickern, spricht jedoch vieles gegen eine vorschnelle Verurteilung der so genannten Union der Schariagerichte. Ihr Anführer, Scheich Sharif Ahmed, betont unentwegt, keinerlei Verbindungen zur al-Qaida zu unterhalten. Ahmed sucht von Anfang an den Dialog auch mit westlichen Botschaften. Ein Großteil der Bevölkerung scheint die Machtübernahme zu begrüßen. Wieder einmal lautet die Hoffnung: Frieden, nach nunmehr 15 Jahren Bürgerkrieg. Wenn die bis vor kurzem noch autark agierenden Lokalgerichte auch gnadenlosen Gesetzen folgen, bieten sie doch das einzige allgemeingültige Rechtssystem im sonst anarchischen Mogadischu.