Die jüngste Welle der Verhaftungen junger Muslime in Kanada, Großbritannien und nun auch in Schweden ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich. Islamistischer Terror, ob von außen initiert oder  von innen kommend, richtet sich  gegen alle westlichen Länder, gleich welche Außenpolitik sie verfolgen. Eine Lektion, die man in Kanada nur langsam begreift. Die Zelle, die dort verhaftet wurde, wollte nationale Wahrzeichen des Landes in die Luft jagen, Massenmord begehen, den Premier enthaupten und Abgeordnete kidnappen – ein spektakuläre Serie von Untaten also, mit einer Propagandawirkung, vergleichbar jener der Terrorakte des 11. September.

Warum wir?, fragen kanadische Leitartikler, schockiert und ungläubig; wir sind doch Kanadier, die "nice guys", die netten Typen, die jedemann mag, die als Friedensstifter wirken, die auf scharfe Distanz zum mächtigen Nachbarn USA gingen; wer wollte uns solch furchtbares Leid zufügen?

Kanada glaubte ob seines hypersensiblen Multikulturalismus gefeit zu sein gegen mörderische Dschihadisten. Nun dämmert es den netten Kanadiern, dass ein multikultureller Schmusekurs nicht nur keine Garantie gewährt, vom islamistischen Terror verschont zu bleiben. Sie  müssten begreifen, dass der Multikulturalismus, der Minoritäten keinerlei Integrationspflichten auferlegt, die Radikalisierung der islamischen Diaspora in erheblichem Maße begünstigt hat. Er erlaubte 
das Entstehen ethnischer und religiöser Ghettos und damit die Abschottung von der Mehrheitsgesellschaft und ihren Regeln und Werten. Multikulturalismus, oftmals unterfüttert von einer verquasten Mischung aus Marxismus, kulturellem Relativismus und romantisierender Verherrlichung totalitärer Ideologien, trug dazu bei, in islamischen Minderheiten eine "Opfermentalität" zu befördern.

Hinzu kommt, dass die Debatte über die Rolle al-Qaidas – zentral gelenkte Terrororgansiation oder nur Anreger lokaler, unabhängiger Zellen – sinnlos ist. Der islamische Extremismus kennt keine Grenzen, er ist ideologisch verbunden, global in seiner Ausrichtung und seinem Ziel, der Errichtung eines weltweiten Kalifats unter der Sharia. Auch wenn terroristische Zellen in westlichen Ländern zumeist selbstständig handeln, erwies sich, von New York über Madrid bis London, dass ein internationales Geflecht aus Koranschulen, reisenden Predigern und 
Experten im Bau von Bomben auch ein Teil der  Infrastruktur des Dschihad-Terrorismus sind. An der Vorbereitung der geplanten Massaker in Kanada waren offenbar auch Muslime in Schwedennd Großbritannien beteiligt.

Wann immer es zu Verhaftungen mutmaßlicher Terroristen kommt, läuft ein vertrautes Ritual ab. Polizei und Geheimdienste weisen, wie in Großbritannien geschehen, auf zwingende 
Verdachtsgründe hin oder, im Falle der kanadischen Fahnder, auf harte Beweise, die die Festnahmen notwendig machten. Muslimische "Gemeindeführer" reagieren, als handele es sich um den feindseligen Übergriff der Mehrheitsgesellschaft gegen die bedrängte islamische  Minderheit. Liberale Medien greifen dieses Motiv nur zu gerne auf und warnen davor, junge Muslime kollektiv zu verdächtigen. Ohnehin erheben sie häufig den Vorwurf, die terroristische Gefahr werde bewusst übertrieben. Das hält sie andererseits nicht davon ab, nach jedem Terrorakt den staatlichen Instanzen lautstark mangelnde Voraussicht und unzureichende Sicherheitsmassnahmen vorzuwerfen.

Die britischen Terrorfahnder haben sich für ihre massive Operation am vorigen Wochenende nicht entschuldigt, obwohl sie bislang nichts Handgreifliches vorzuweisen haben. Sie haben recht daran getan. Die  Polizei musste den spezifischen Hinweisen auf eine chemische  Bombenwerkstatt nachgehen.

In Großbritannien wurden in den vergangenen vier Jahren rund 20 Anschläge, ähnlich denen des Juli 2005, vereitelt. Die Terrorgefahr kommt nun mal aus der muslimischen Minorität. Das ist eine bedauerliche Tatsache, die sich leider nicht leugnen lässt. Und die den Vorwurf der "Islamophobie" ad absurdum führt, hinter den sich muslimische Kreise gerne zurückziehen. Man muss den Vorwurf umkehren: Wenn Polizei und Geheimdienste versuchen, Terrorakte zu vereiteln, dienen sie dem Interesse aller Menschen in einer demokratischen Gesellschaft, gleich welcher Hautfarbe und Religion, also auch dem der muslimischen Minorität. Verantwortungsbewusste Gemeindeführer und Prediger sollten ihre Gläubigen daran erinnern, auch wenn es schwer fällt, junge Hitzköpfe von dieser Wahrheit zu überzeugen.