Es gibt auch friedliche polnische Fußballfans. Sie stellen sogar die große Mehrheit unter den Schlachtenbummlern, die in den kommenden Tagen zur WM nach Deutschland reisen werden.

Offensichtlich ist es an der Zeit, solche Banalitäten auszusprechen. Denn nach der wochenlangen, nicht immer von Kompetenz beflügelten Berichterstattung über das Menetekel Polnische Hooligans sorgen sich mittlerweile normale Fußballfans, sie könnten in Deutschland als Verbrecher in Kollektivhaft genommen werden.

In der Tat legte sich das Gros der Korrespondenten (die zumeist von deutschern Schreibtischen aus recherchierten) in ihrer Berichterstattung darauf fest, dass eine Invasion brandschatzender Gewalttäter kaum noch zu verhindern sei. Kein Wunder, dass angesichts solcher, geradezu mutwillig herbeigeschrie(b)ener Horrorszenarien schnell eine entgegen gesetzte Lesart Konjunktur bekam, die gerne von wohlmeinenden, aber fachfremden Berufsgruppen propagiert wurde und sich wie folgt zusammen fassen ließe: Es gibt gar keine Hooligans, schon gar keine polnischen. Wer das Gegenteil behauptet, versündigt sich an der Völkerverständigung, zumindest aber an Willy Brandts Ostverträgen.

Die Wahrheit ist differenzierter, wenngleich der Ligaalltag in Polen keinen Anlass zu Beschönigungen gibt. Es gab schon Scharmützel, an denen sich auf beiden Seiten zwischen 300 und 400 Nahkämpfer trafen. Im Gegensatz zu Hooligans aus England oder Deutschland schreckt die Szene in Polen auch nicht vor dem Gebrauch von Schlagwaffen oder Eisenstangen zurück. In den vergangenen Monaten fielen dabei die letzten Hemmungen: In Krakau wurde nach dem Lokalderby ein Wisla-Fan von Cracovia-Anhängern erstochen, am letzten Spieltag hielten Legia-Warschau-Hooligans stundenlang die Polizei auf Trab. Die verzeichnete am Ende des Einsatzes über 200 Verhaftungen. Dennoch konnte man dadurch nur einen Bruchteil der Randale-Brüder dingfest machen. Dass sich Frauen und Familien aus Angst vor den Krawallmachern kaum in die Stadien trauen, geben Funktionäre wie der Präsident von Legia Warschau, Piotr Zygo, offen zu. Sie bestreiten aber im gleichen Atemzug, dass man daraus auf eine Gefahr bei der WM schließen könne. Denn das Turnier sei genau für die Klientel attraktiv, die sich im polnischen Ligaalltag nicht blicken lässt. Und so wird gerade aus Polen ein Publikum erwartet, das sich zu weiten Teilen aus der bürgerlichen Mittelschicht rekrutiert.