Mein WM-Tag begann um 21 Uhr und dauerte exakt 93 Minuten und 18 Sekunden. Am Ende bestätigte sich, was Deutsche nie wahrhaben wollen: Italiener sind mitnichten romantisch, sondern das pragmatischste Volk der Welt. So wissen die italienischen Fußballer ganz genau, dass sie nur dann eine Chance haben, aus dem mafiösen Sumpf des Schiedsrichter- und Bestechungsskandals herauszukommen, wenn sie bei der WM bis ins Finale stürmen.

Allen Kritiken von ZDF-Mann Béla Réthy zum Trotz, der heute eine Art Doris Papperitz der Fußballkommentatoren-Szene abgegeben hat, rannten die Italiener buchstäblich um ihr Berufsleben. Sie gewannen das Rennen gegen Ghana, weil sie alles gezeigt haben, was eine gute Mannschaft braucht: eine makellose Abwehrkette, großartiges Raumgefühl und blitzschnelle Sturmspitzen.

Und all das verdanken wir der italienischen Skandalrepublik. Schade, dass wir den Schlachtruf "Forza Italia" nicht mehr ausrufen können, weil der inzwischen von Berlusconi als Parteiname usurpiert worden ist. Der steht gerade im Abseits, die Nationalmannschaft aber hat die schönsten Partien noch vor sich.

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