Der Kapitän ist zurück auf der Kommandobrücke - und hat seine Mannschaft sofort eindringlich vor dem nächsten Gegner gewarnt. "In Polen gibt es im Moment heiße Luft. Angeschlagene Boxer sind die gefährlichsten", mahnte der von einer Wadenverletzung genesene Michael Ballack, nachdem er am Montag den Härtetest für seine lädierte Wade bestanden hatte. "Ich freue mich, dass ich endlich eingreifen kann", betonte er, der nach den Irritationen um sein Fehlen im Eröffnungsmatch gegen Costa Rica nur noch "nach vorn blicken" wollte. "Wir wollen versuchen, vorzeitig den Einzug ins Achtelfinale zu schaffen", gab Ballack für die Partie am Mittwoch in Dortmund das klare Ziel aus.

Unter extremer Beobachtung war der Mittelfeldstar, der zuvor wegen des Blutergusses in der rechten Wade nur ein Sonderprogramm absolvieren konnte, am Montag wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. "Ich hatte ständig ein Auge drauf. Das sah sehr gut aus", sagte Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Am Wochenende habe sich Ballack noch "ganz vorsichtig" herangetastet, jetzt könne von Grünem Licht für den Einsatz des Kapitäns gegen Polen ausgegangen werden.

Das Thema ist für Ballack jetzt zweitrangig. "Ich habe ein paar Mal mit dem Trainer gesprochen", berichtete er von einer intensivierten Kommunikation mit dem Bundestrainer. "Unmittelbar nach dem Eröffnungsspiel hat Michael auch eingesehen, dass ein Mitwirken zu früh gekommen wäre", bemerkte Co-Trainer Joachim Löw. Jetzt konnte Ballack - anders als vor dem Costa Rica-Spiel - die Forderung von Klinsmann erfüllen, zwei Tage vor der Partie wieder alles mitzumachen. Auch die zweite Übungseinheit unter Ausschluss der Medien am Montagabend sollte Ballack laut Aussage von Müller-Wohlfahrt "voll bestreiten".

Die Rückkehr von Ballack, für den der Bremer Tim Borowski wieder auf die Bank muss, soll am Mittwoch die einzige Veränderung gegenüber der Startelf sein. "Er gibt der Mannschaft noch einmal mehr Qualität. Es ist wichtig, dass wir seine Offensivkraft wieder auf dem Platz haben", sagte Löw, der auch auf die spielentscheidenden Tore von Ballack wie bei der WM 2002 verwies: "Er kann das 1:0 oder das 2:1 machen. Und er ist in der Lage, auch in schwierigen Situationen das Spiel zu beruhigen und zu organisieren."

Wie das aussehen soll, weiß Ballack schon genau, obwohl die sportliche Leitung die Spieler erst am Dienstag mit einem Videostudium auf die polnische Mannschaft einstellen will. Jeder Spieler müsse "noch einen Tick mehr darauf achten", seine Defensiv-Aufgaben zu erfüllen, mahnte Ballack. Zum Vorbild erklärte er den 3:0-Sieg vor einem Jahr beim Confederations Cup gegen Tunesien, der auf das 4:3 gegen Australien gefolgt war. "Das wäre nicht nur für die Trainer, sondern auch für uns Spieler ein Wunsch."

Um dieses "zu Null" erreichen zu können, ohne den mutigen offensiven Stil aufzugeben, nahm Klinsmann sein Personal nach dem freien Sonntag gleich zwei Mal intensiv ran. Cheftaktiker Löw gab der Viererkette nochmals eine intensive Lehrstunde. Auch Arne Friedrich soll trotz seiner Auftakt-Schwächen wieder auf der rechten Seite ran. In den Trainings-Spielchen Fünf gegen Fünf zeigte sich der Berliner am Montag besonders bissig. "Wir wissen, dass es ein schwerer Weg wird und ein heißes Spiel", begründete Klinsmann den Schwerpunkt Aggressivität in der Übungseinheit.