Das Ende der Kinderarbeit ist laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) "zum Greifen nah". Zwischen 2000 und 2004 sei die Zahl der arbeitenden Kinder weltweit um elf Prozent von 246 auf 218 Millionen zurückgegangen, sagt die ILO, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sollte der Trend anhalten, so die Schussfolgerung des Berichts, der derzeit auf einer Internationalen Arbeitskonferenz in Genf von Vertreter von Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgebern diskutiert wird, wäre ein zumindest weitgehendes Ende der Kinderarbeit absehbar. Dafür sorgen soll ein Aktionsplan, den die ILO entworfen hat und der nach Abschluss der Konferenz am 16. Juni in den Mitgliedsländern umgesetzt werden soll.

Dieser Plan richtet seinen Fokus auf die schlimmsten Formen der Kinderarbeit, wie Prostitution und Kinderhandel. Gegen diese Arten des Kindesmissbrauchs wenden sich 157 Staaten in einem von ihnen ratifizierten Übereinkommen. Die offizielle Zahl der betroffenen Kinder nahm so auch von 2000 bis 2004 um 26 Prozent, in der Altersgruppe der Fünf- bis Vierzehnjährigen sogar um ein Drittel ab. Eigentlich ein erfreuliches Ergebnis.

Offenbar wird dieser Aktionsplan auf der ILO-Konferenz auch nicht weiter kritisiert. Einzig die Delegation der Niederlande hat den engen Blickwinkel des Aktionsplans infrage gestellt. Diesen kritisiert auch die Deutsche Welthungerhilfe: "Wir senden ein falsches Signal, wenn wir uns in diesem Aktionsplan, der immerhin bis zum Jahr 2016 reicht, nur auf die schlimmsten Fälle konzentrieren", sagt Antje Paulsen, Leiterin des Projekts "Schule ist der beste Arbeitsplatz". Alle Formen der Kinderarbeit müssen nach und nach aufgehoben werden. Der Fokus auf die schlimmsten Fälle sei ein Minimalkonsens, der auch auf strategischen Überlegungen beruhe: Man hoffe noch mehr Länder zu gewinnen, welche die bestehenden Übereinkommen ratifizieren.

Ein Verbot sämtlicher Formen der Kinderarbeit durchzusetzen, ist eines der wichtigsten Anliegen der ILO. Ein Mosaikstein ist der 12. Juni, der weltweite Tag der Kinderarbeit. 218 Millionen arbeitende Kinder sind derzeit offiziell erfasst.

Um fast 20 Millionen ist ihre Zahl von 2004 bis 2000 zurückgegangen, sagt der ILO-Bericht. In den Ländern der Karibik sowie in Lateinamerika wurde von der Organisation in den vergangenen Jahren der stärkste Rückgang verzeichnet. Immerhin seien dies zwei Drittel gewesen, sodass dort jetzt nur noch fünf Prozent aller Kinder arbeiteten. In Brasilien ging die Kinderarbeit unter den Fünf- bis Neunjährigen um 61 Prozent zurück. Bei den Zehn- bis Siebzehnjährigen waren es 36 Prozent. Ähnliche Erfolgszahlen gab es auch für Asien, wo allerdings mit 122 Millionen der größte Teil der Fünf- bis Vierzehnjährigen Kinderarbeiter lebt. In Schwarzafrika muss ein Viertel aller Kinder arbeiten.

Doch diese offiziellen Zahlen täuschen. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Kinder im informellen Bereich arbeitet. Diese Kinder werden in keiner Statistik erfasst, sagt Antje Paulsen von der Welthungerhilfe. Die rückläufigen Zahlen beziehen sich auf den formellen Bereich, also die Textilindustrie und die Plantagenwirtschaft.

In dem ILO-Bericht wird allerdings auch dazu aufgerufen, die weltweite Bewegung gegen Kinderarbeit zu stärken. So sollten sich die fast 180 Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation verpflichten, die Kinderarbeit bis 2016 abzuschaffen. Menschenwürdige Arbeit soll zu einem globalen Ziel erklärt werden.