Mit dem letzten Maitag ist der erste Monat der Lebenslagen -Kolumne vorbeigegangen. Die ist damit zwar noch keine 100 Tage alt, aber es ist dennoch eine gute Gelegenheit für eine erste Zwischenbilanz, wie ich finde. Das Schöne am Medium Internet ist ja, dass einem die Leser, neudeutsch gerne User genannt, ihre Meinung so unmittelbar und ungeschminkt mitteilen können. Mit einem Leserbrief per Schneckenpost ist da deutlich mehr Aufwand und Zeit verbunden. Da muss der Ärger und das Mitteilungsbedürfnis schon groß sein, um sich  aufzuraffen.

Dennoch hagelte es Gott sei Dank nicht nur Kritik zu den bisherigen Themen, sondern mitunter auch Zustimmung – mit bisweilen widersprüchlichen Ergebnissen. Während sich zum Beispiel ein Leser beschwert, eine Riester-Police bringe ihm als 55-Jährigem gar nichts mehr, weist ein anderer darauf hin, dass sich diese Anlage auch für ältere Arbeitnehmer lohne, weil sie staatliche Zulagen und Steuervorteile viel schneller ausgezahlt bekommen als ein junger Sparer. So unterschiedlich kann man das in der Tat sehen.

Ohnehin entzweit das Thema Riester & Co. die Leserschaft wie kein zweites. Die einen plädieren dafür, die Förderung zu nutzen. Die anderen halten sie für einen Köder, mit dem der Staat in Sachen Rente auch noch zunehmend privates Vermögen kontrollieren kann. Interessanterweise werden dabei die negativen Kommentare – auch zu anderen Kolumnenthemen – von anderen Usern immer besonders gut bewertet.

Ich denke, hierin spiegeln sich zwei Dinge wider: Zum einen ein generelles Misstrauen gegenüber Experten. Das trifft auch den Schreiber dieser Zeilen, und ich kann Sie nur ermuntern, meine Beiträge auch weiter kritisch zu begleiten.

Viele Menschen haben einfach das Vertrauen verloren. Jahrelang erzählten ihnen Politiker und Wissenschaftler, die Rente sei sicher. Nun verkünden zum Teil genau die gleichen Leute die schlechte Botschaft, dass es eben doch nicht reicht ohne eigenes Zutun.

Dazu darf man nicht vergessen: Fragt man zehn Experten, bekommt man elf Meinungen. Denn auch Experten verfolgen ihre eigenen Interessen. Wer zum Beispiel Herrn Rürup zur privaten Altersvorsorge befragt, wird kaum erwarten können, dass er die nach ihm benannte geförderte Rente in Grund und Boden redet. Auf der anderen Seite treibt die schärfsten Kritiker nicht selten Profilierungssucht und gekränkte Eitelkeit an. So wird so mancher radikale Saulus zu einem lammfrommen Paulus, wenn er selbst in eine der mittlerweile so beliebten Expertenkommissionen berufen wird.