Das Warschauer Verwaltungsgericht hat die "Gleichheitsparade" zum traditionellen Christopher Street Day genehmigt. In den Jahren zuvor war die Veranstaltung stets mit Hinweis auf Verfahrensfehler und Sicherheitsbedenken verboten worden.

Trotz der richterlichen Unterstützung fürchten die Organisatoren gewaltsame Übergriffe von Rechtsextremen. Tomasz Baczkowski von der Stiftung Rownosc (Gleichheit), die die Veranstaltung in Warschau organisiert, appellierte an die Polizei, "Konfrontationen zu vermeiden" und Gegendemonstranten möglichst fernzuhalten.

Nachdem in den vergangenen Jahren Skinheads und andere Rechtsextreme Steine auf die Teilnehmer der schwul-lesbischen Parade geworfen und regelrecht Jagd auf Homosexuelle gemacht hatten, gab es auch dieses Mal bereits Drohungen von rechts: Noch im Mai sagte Wojciech Wierzejski von der Liga polnischer Familien (LPR): "Wenn die Abartigen demonstrieren, brauchen sie den Knüppel". Und auch wenn Roman Giertych, Parteichef und Vizepremier, die Jugendorganisation der LPR zum Verzicht auf eine Gegendemonstration aufrief: Die Allpolnische Jugend gilt als rechtsradikal und gewaltbereit.

Auch deswegen wollen führende deutsche Grüne zu der Veranstaltung am traditionellen Christopher Street Day nach Warschau reisen. Obwohl er erst vor einer Woche im Zentrum von Moskau am Rande einer nicht genehmigten Homosexuellen-Kundgebung niedergeschlagen worden wurde, ist auch der Bundestagsabgeordnete Volker Beck darunter.

Neben deutschen haben auch andere europäische Politiker angekündigt, in Warschau an der Gleichheitsparade und einer internationalen Konferenz über homosexuelle Kultur teilzunehmen - so werden unter anderen Mitglieder der französischen Sozialisten, Parlamentarier aus Schweden und den Niederlanden erwartet.

In Polen selbst dürfte die Parade in diesem Jahr Zuspruch weit über die Schwulen- und Lesbenszene hinaus finden: Viele Gegner der Regierungskoalition wollen angesichts jüngster Angriffe auf homosexuelle Gruppen Solidarität zeigen.