An allen Fronten kämpfen Politiker, Behörden und Verbraucherschützer zur Zeit gegen hohe Strom- und Gaspreise. Mit einem nachhaltigen Preisrutsch dürfen die Verbraucher aber bei allen Bemühungen nicht rechnen. Vielen Haushalten flattern bereits die nächsten saftigen Erhöhungen ihrer Rechnungen ins Haus. Gleichwohl ist der Druck auf die vier großen Energieriesen in Deutschland, E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall, sowie auf Hunderte von Netzbetreibern und Versorgern deutlich gestiegen.

Die Bundesnetzagentur gab am Donnerstag in Bonn ein weiteres wegweisendes Signal: Erstmals hat sie mit Vattenfall Europe einen Konzern und großen Netzbetreiber verpflichtet, die Stromnetzgebühren zu senken. Das sind Entgelte, die andere Stromunternehmen für die Weiterleitung und die Lieferung zum Kunden zahlen müssen. Die Netzgebühren fließen in die Preiskalkulationen der Weiterverteiler und Kommunalversorger wie Stadtwerke ein. Die Netzkosten machen im Schnitt etwa ein Drittel der Stromrechnung aus. Je niedriger die Kosten fürs Netz sind, umso günstiger wird dieser Preisanteil für den Kunden - wenn der Nachlass weitergegeben wird.

Für die Kunden hört sich die Nachricht von der Netzkostensenkung gut an. Doch nach Ankündigungen von Vattenfall drohen hierzu noch gerichtliche Auseinandersetzungen. Der Entscheid der Regulierer ist also noch nicht endgültig. Ernüchternd ist auch das Ergebnis, das unterm Strich für den Stromkunden tatsächlich herauskommen könnte.

Nach ersten Berechnungen von Experten dürfte die Aktion gegen Vattenfall und seine Höchstspannungsnetze - sie machen nur etwa 10 Prozent im gesamten Netzkostenblock aus - auf eine Minderung von unter einem Prozent der Stromrechnung hinauslaufen - mehr nicht. Sollten auch bei den Weiterverteilern entsprechende Netzkostensenkungen wirksam werden, könnte sich die Entlastung für die Endverbraucher auf etwa drei Prozent summieren. Ärgerlich für die Kunden ist auch, dass das Nachrechnen der Netzagentur-Experten zeigt, dass ihnen wohl jahrelang ohne unabhängige Nachprüfung zu hohe Kosten in Rechnung gestellt wurden.

Nach allem, was bislang durchgesickert ist, dürften sich auch die noch ausstehenden Netzentgeltsenkungen bei den anderen Betreibern durch die Bonner Behörde im Schnitt in ähnlichen Größenordnungen wie bei Vattenfall bewegen. Der Präsident der Netzagentur, Matthias Kurth, warnte daher schon einmal vor "zu hohen Erwartungen beim Verbraucher". Der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, geht von einem "minimalen Effekt" für den Endkunden aus. Die Netzkosten seien um etwa 20 bis 30 Prozent zu hoch - um etwa diesen Satz gehörten sie auch gekappt. "Die Netzbetreiber kassieren jährlich 18 Milliarden Euro für die Netznutzung, investieren aber nur zwei Milliarden Euro."

Der Netzbereich war bislang wenig überprüfbar, bundesweit differierten die Netzkosten stark. Die positive Entwicklung im Zuge des neuen Energiewirtschaftsgesetzes liegt darin, dass die Bundesnetzgagentur Licht in das bis dato wenig transparente Geflecht der Kostenkalkulationen bringen soll. Wenn sie dann noch unsachgemäße Kosten zusammenstreicht - umso besser für die Verbraucher. Die Strom- und auch die Gasunternehmen müssen sich erstmals die Gebühren, die sie für die Nutzung ihrer Netze von anderen Versorgern fordern, von der Netzagentur im Detail überprüfen und genehmigen lassen.