Die personifizierte Angst des Titelkandidaten Argentinien vor einem Fehlstart in der Gruppe C heißt Didier Drogba. "Auf ihn müssen wir ein besonderes Auge werfen und aufpassen", sagte Trainer José Pekerman in Herzogenaurach einen Tag vor dem WM- Auftaktspiel gegen WM-Neuling Elfenbeinküste an diesem Samstag. Sowohl die Innenverteidiger als auch das defensive Mittelfeld seien stark gefordert. Zur gleichen Zeit formulierte der von den Argentiniern gefürchtete Drogba bei einer Pressekonferenz im Spielort Hamburg seine Kampfansage: Er sei nach Deutschland gekommen, um das Turnier zu gewinnen.

Mit allen erlaubten Mitteln müsse Drogba, der pikanterweise beim FC Chelsea mit Argentiniens Sturmführer Hernan Crespo konkurriert, gestoppt werden, forderte Abwehrspieler Nicolas Burdisso. Eines ist den Argentiniern klar: "Wir dürfen das erste Spiel nicht verlieren", so Kapitän Juan Pablo Sorin. "Vor 30 Jahren wäre es allerdings einfacher gewesen, gegen eine afrikanische Mannschaft zu spielen."

Denn die Ivorer, die beim bis dato einzigen Aufeinandertreffen 1992 mit 0:4 abgefertigt worden waren, wissen, was die Stunde geschlagen hat. "Das erste Spiel ist das wichtigste der gesamten WM", meinte der erfahrene Trainer Henri Michel - mit Serbien und Montenegro sowie Ex-Europameister Niederlande warten in der Gruppe weitere Hochkaräter. Vor den Argentiniern verspüren die Afrikaner zwar Respekt, "aber wir haben keine Angst", sagte Michel.

Auf der Gegenseite will Drogbas Vereinskollege Crespo mithelfen, die bösen Geister von 2002 zu vertreiben. In Südkorea und Japan schied der zweimalige Weltmeister nach einem 1:0 zum Auftakt gegen Nigeria, einem 0:1 gegen England und einem 1:1 gegen Schweden in der Gruppenphase aus und musste Hohn und Häme in der Heimat über sich ergehen lassen. "Wir haben hier etwas gut zu machen", betonte Crespo, der neben Sorin, Pablo Aimar und Roberto Ayala nur einer von vier Spielern mit WM-Erfahrung in der sonst so namhaften Truppe ist.

Wie schon beim 3:1-Sieg in der Qualifikation über den Erzrivalen Brasilien, mit dem die Argentinier frühzeitig das WM-Ticket lösten, wird Crespo vom wieselflinken Javier Saviola im Angriff flankiert. Dahinter soll Juan Riquelme die torhungrigen Spitzen mit Vorlagen füttern. "Ich weiß, dass dieses Team das gesamte argentinische Volk glücklich und stolz machen kann", sagte Pekerman, der als Junioren- Trainer des Verbandes bereits drei WM-Titel holte.

20 Jahre nach dem Triumph von Mexiko mit dem überragenden Diego Armando Maradona soll der insgesamt dritte Titel folgen. "Wir sind hier, um für unser Volk den Pokal zu holen", sagte Carlos Tevez, der ebenso wie Jungstar Lionel Messi erst mal auf der Bank schmoren muss. Das Team flog am späten Freitagnachmittag von Nürnberg nach Hamburg - ohne wie erhofft von Maradona noch in Herzogenaurach die besten Wünsche mit auf den Weg bekommen zu haben. Nun soll Maradona, der Medienberichten zufolge für sein Kommentatoren-Engagement während der WM bei einem spanischen Sender angeblich zwei Millionen Euro bekommt, aber beim Spiel in Hamburg vor Ort die Daumen drücken. "Ich möchte diese Weltmeisterschaft genießen, jedes Spiel", hatte Maradona jüngst verkündet. "Ich möchte die Spiele sehen und den Fußball aufsaugen."

Der Countdown für die erste WM-Partie der Testspiel-Minimalisten aus Argentinien hatte mit dem 2:0 am 30. Mai über WM-Starter Angola begonnen, als "der Schalter endgültig" umgelegt wurde (Gabriel Milito). Die Elfenbeinküste tankte unterdessen zuletzt mit einem 3:0 über Slowenien weiteres Selbstvertrauen. "Wir sind nicht als Opfer hier", meinte Kolo Touré. Und HSV-Mittelfeldmann Guy Demel, der bei seinem Heimspiel in Hamburg nicht erste Wahl sein wird, träumt von der nächsten Runde: "Wir haben die Qualität fürs Achtelfinale."