Australien gegen Japan, so lautete die erste Paarung der Gruppe F am Dienstag 15 Uhr. Nominell war diese Partie kein Knaller. Aber oft sind es die Spiele kleiner Fußballnationen, die bei einer WM richtig Spaß machen. Und diese Weisheit ist unbedingt auf die Auftaktbegegnung zwischen Japan und Australien, in Kaiserslautern anzuwenden. Die Checkliste für dieses großartiges Spiel sieht so aus:

Tore - Treffer sind nicht das Salz in der Suppe. Sie sind die Suppe!
Dramatik - bei der Hitze könnte sich ansonsten Schläfrigkeit ausbreiten.
Ein Novum - damit der Moderator und später die Fans von historischen Momenten sprechen können.
Einen Bösewicht - eine Pfeife, die diesen Namen verdient.
Eine kleine Apotheose - Helden sind unbedingt erforderlich.
Körpereinsatz - sieben gelbe Karten sprechen für sich.
Ein perfektes Ende - am Ende gewinnen die Guten.
Tragik - ergibt sich aus der Gruppenkonstellation.

Aber der Reihe nach. In 90 Minuten haben damit die Teams mehr Tore erzielen können, als am gesamten Sonntag gefallen sind. Mit dem 3:1 gewinnt das Team vom fünften Kontinent zurecht gegen die Blue Samorai . Dabei hatte es lange Zeit nicht nach einem Happy End für die Mannschaft von Guus Hiddink ausgesehen. Sie dominierten zwar die gesamte Spielzeit den Gegner, gingen aber in der 25. Minute in Rückstand. Japans Mittelfeldregisseur Nakamura flankte in den 5-Meter-Raum und der Ball landete im Tor. Dieser Treffer hätte aber niemals zählen dürfen, denn gleich zwei Stürmer bedrängten den Torhüter in seinem Schutzgebiet - und das ist als Foul zu werten. Diese Fehlentscheidung von Schiedsrichter El Fatah aus Ägypten blieb nicht die einzige in dieser Begegnung.

Australiens lieferte seinen Protest spielerisch ab: Offensiv, aber zum Teil ungestüm, drängte die Mannschaft auf den Ausgleich. Fast alle Angriffe liefen über die Spitze Marc Viduka, der bemüht, aber nicht glücklich agierte. Zum Ende der ersten intensiven 45 Minuten spielten nur noch die Socceroos - Japan hielt körperlich stark gegen und sicherte die knappe Führung bis zur Pause.

Schon zu Beginn der zweiten Halbzeit verlegten sich die Ostasiaten darauf, das Ergebnis zu halten. Diese Maßnahme vom brasilianischen Trainer Zico schien auch lange Zeit gut zu gehen. An der tief stehenden Abwehr bissen sich die gegnerischen Stürmer die Zähne aus. Von diesen befanden sich ab der 75. Minute fünf auf dem Feld. Frei nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein", wurde diese Offensivtaktik von Erfolg gekrönt. Der eingewechselte Cahill stocherte mit mehr Glück als Verstand den Ball zum Ausgleich über die Linie und erzielte den ersten Treffer Australiens in ihrer WM-Geschichte. Die folgende Schlussphase war an Dramatik kaum zu überbieten. Endlich bemühte sich auch die Mannschaft um Nakata und Nakamura um mehr Offensive. Zwei Minuten vor dem regulären Ende übersieht der Referee ein klares Foul im Strafraum der Australier, der damit die schlechteste Schiedsrichterleistung dieser jungen Weltmeisterschaft ablegte. Doch statt Elfmeter zu pfeifen, leiteten die Abwehrspieler einen Konter ein, den wiederum Cahill in der 89. Minute mit einem Traumtor abschloss. Spätestens jetzt wurde der Stürmer zum Helden der Partie.
Japans Mannschaft rückte nun doch weiter nach vorne auf. Mit letzter Kraft versucht der Asienmeister einen Punkt zu retten. Dem Qualifikationsgewinner der Ozeaniengruppe boten sich dadurch Kontermöglichkeiten. Eine davon nutzte der, erst in der 75. Minute auf das Feld gekommenen, Aloisi zum verdienten 3:1-Endstand.

Zu Schade, dass der Sieg den Australiern nicht viel nützen wird. Mit Brasilien steht die wohl stärkste Mannschaft des Turniers als Sieger der Gruppe F schon fest, bevor die Südamerikaner überhaupt einmal auf dem Platz standen. Die couragierte Leistung der Socceroos wird auch nicht reichen, um Kroatien in der letzten Paarung in Bedrängnis zu bringen. Allzu viele Fehler im Abwehrbereich und zu berechenbar im Spielaufbau präsentierte sich die Mannschaft. Bei aller Begeisterung für die Hitzeschlacht, waren die technischen Unzulänglichkeiten und Ungenauigkeiten nicht zu übersehen.

Noch düsterer sieht die WM-Zukunft für Japan aus. Mit dieser Niederlage hat sich das Team schon jetzt aus dem Turnier verabschiedet - denn einen Sieg gegen den fünfmaligen Weltmeister Brasilien ist den Samurais keinesfalls zuzutrauen. Zu Recht, denn die Unsicherheiten im Mittelfeld und ein harmloser Sturm, um den Neu-Frankfurter Takahara sind nur die Spitze des Eisbergs von Unzulänglichkeiten. Ausschließlich mit Kondition und erstaunlichem Körpereinsatz erreicht man wohl nicht das Achtelfinale.

So werden wir wohl beide Länder bei dieser WM noch genau zwei Mal sehen: Australien am 18. Juni gegen Brasilien und vier Tage später gegen Kroatien. Japan startet seine Abschiedstournee ebenfalls am 18. gegen die Osteuropäer, um dann am 22. Juni die Koffer packen zu können. So wird die Gruppe F für beide Teams zur Todesgruppe.

Bilder des vierten Spieltages "

Gruppe F "