Im Vertrauen auf den heiligen Antonius, die eigene Stärke und Superstar Ronaldinho startet Weltmeister Brasilien ins Turnier. Mit einem Sieg gegen Kroatien im ersten Gruppenspiel in Berlin will die "Seleção" den ersten Schritt auf dem langen Weg zur "Hexa" machen, zum sechsten Titel nach 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002. Trainer Carlos Alberto Parreira verlangt "keine Luxusvorstellung" von seiner Startruppe und erklärte: "Wir werden nicht gleich bei 100 Prozent sein. Wichtig ist, dass sich die Mannschaft im Laufe des Turniers entwickelt."

Genau auf dieser Startmüdigkeit ruhen die Hoffnungen der Kroaten. "Oft war Brasilien im ersten Spiel nicht gut", verriet Trainer Zlatko Kranjcar. Ausgerechnet in Berlin, der Heimatstadt seiner Aktivposten Niko und Robert Kovac, erwartet er ein großes Fest mit Heimvorteil. "Gegen Brasilien zu spielen wird ein Spektakel", meinte er. Obwohl er und seine Spieler eine Niederlage eingeplant haben, spekulieren sie damit, den Südamerikanern möglichst einen Punkt abzuknöpfen.

"Jeder erwartet, dass Brasilien nicht nur das Spiel, sondern auch den Titel gewinnt. Aber wir werden nicht die weiße Fahne schwenken", verkündete Kranjcar. Und Mittelfeldakteur Igor Tudor ergänzte: "Es wäre eine Sensation, wenn wir gewinnen würden. Wir sind der Favorit auf den zweiten Platz in der Gruppe."

Bei der letzten Pressekonferenz der Brasilianer im Quartier in Königstein stieg auch Mario Zagallo aufs Podium. Der Technische Koordinator des Nationalteams, mittlerweile 74 Jahre alt, ist in Brasilien eine Legende: Als Spieler war er 1958 und 1962 Weltmeister, als Trainer 1970. "Der Dienstag, 13. Juni, ist der Tag des heiligen Antonius. Die 13 ist eine Glückszahl", erklärte Zagallo und verwies auf das Heiligenbildchen, das er in der Hosentasche trägt. Parreira ist ebenfalls "sehr abergläubisch, aber mir bringt die Sieben mehr Glück, weil es meine siebte WM ist". Da lächelte Zagallo: "Mir gefällt die 13 - aber es ist auch meine siebte WM."

Klare Verhältnisse herrschen innerhalb des Kaders, der komplett zum Abschlusstraining im Olympiastadion antrat: Parreira hat sich bereits vor acht Monaten nach der gewonnenen Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Südamerika auf seine Stammelf festgelegt. Ihr Herzstück ist das "magische Viereck" mit Ronaldinho, Kaká, Ronaldo und Adriano, ihr Kapitän der 36 Jahre alte Cafú. Die Innenverteidigung besteht aus dem Bundesliga-Duo Lucio (Bayern München) und Juan (Bayer Leverkusen). Am Montagabend bei einem Spiel über den halben Platz trieben die Profis ihre Späßchen miteinander: Das Siegerteam um Ronaldo jubelte nach dem Match, als habe es bereits das erste Spiel gewonnen und ließ sich sogar von einem Betreuer fotografieren.

"Wir wollen zeigen, dass wir eine einzige Familie sind", sagte Torwart Dida vom AC Mailand pathetisch, räumte aber auch nüchtern ein: "Unsere Abwehr ist in der Vorbereitung nicht gefordert worden." Eben dort haben auch die Kroaten die Schwachstelle ausgemacht. "Da gibt es ein paar taktische Sachen, die ich mit den Spielern auch schon durchgesprochen habe", sagte Trainer Kranjcar geheimnisvoll. In den letzten Trainingseinheiten ließ er verstärkt Standardsituationen einstudieren.

"Die kroatische Mannschaft ist physisch sehr stark und hat auch technisch starke Spieler", warnte Parreira sein Team vor zu viel Übermut. Der 63-Jährige hätte gerne "drei oder vier Testspiele mehr eingebaut", vertraut aber auf seine Routiniers. In Cafú, Roberto Carlos, Lucio, Ronaldo und Ronaldinho stehen fünf Akteure aus dem WM- Finale von 2002 in der geplanten Anfangsformation gegen Kroatien. Alle Augen werden vor allem auf den zweimaligen "Weltfußballer" Ronaldinho gerichtet sein. "Er hat alle Freiheiten der Welt. Er kann machen, was er will, er muss nur ruhig bleiben", sagte Ronaldo über den grandiosen Vorbereiter vom FC Barcelona.

Gruppe F "