Italien gegen Ghana: Auf der einen Seite ein von Korruption zerfressener Verband, dessen Vereine jüngst noch auf Geheiß des eitlen und mittlerweile höchst widerwillig abgetretenen Ministerpräsidenten von millionenschweren Steuerschulden befreit wurden. Und auf der anderen Seite - Ghana, ein im Vergleich armes afrikanisches Land.

Zugegeben, diese Pointe ist nicht unbedingt neu. Ob sie trotzdem wieder zündet? In entsprechender Situation findet sich gleichsam, wer 48 Stunden zuvor noch das erste und bisher einzige wirklich große Spiel dieser WM gesehen hat: Elfenbeinküste gegen Argentinien. Zwei Mannschaften mit fast vergleichbaren Anlagen, doch bunter, schneller, aufregender, versierter. Hier nun kam das Remake, eine Art Cover-Version; gespielt allerdings auch von Profis. Weniger Feuer, weniger Spannung. Aber trotzdem recht ansehnlich und technisch vollendet. Es fehlte vor allem Ghana nur einer wie Didier Drogba.

Italien spielte ähnlich kühl wie Argentinien, immerhin kein Catenaccio mehr, doch so nüchtern und schnörkellos, als wollte man niemandem auffallen: Wir spielen nur Fußball, beachtet uns einfach nicht weiter. Vielleicht kommt man so wirklich ins Finale, zumindest aber aus den Schlagzeilen - in diesem Falle ein Segen für Italiens zum Teil vom Staatsanwalt beäugten Spieler. Trotzdem schoss Luca Toni fast das Tor der Woche. Der Torschützenkönig der ersten italienischen Liga, grundsätzlich mit nur einem Gegenspieler meist unterfordert, hämmerte in der 27. Minute den Ball vom rechten Strafraumeck an die Latte.

Ghana dagegen glänzte nur dort, wo es dem Gegner nicht wehtut - im Mittelfeld. Fast schon traumhaft sichere Ballstafetten um den Mittelkreis bescherten der Mannschaft letztlich einen Wert von 53 Prozent Ballbesitz. Von Aufregung keine Spur - trotz des ersten WM-Spiels überhaupt und Grußwort Kofi Annans. Im Gegenteil, es wirkte fast, als ob Ghana das Spiel machte - doch blieb es statisch und, in der Tat, zu diszipliniert. Überraschungsmomente gab es keine. Und so wurde bis zum Strafraum der "Squadra Azzura" eifrig kombiniert, dort aber fehlte dann der Schlüssel, um an Zählbares zu gelangen. Die Stürmer Gyan und Amoah von Borussia Dortmund waren weitestgehend abgemeldet bei Nesta und Canavarro, seit Jahren Maßstab internationaler Innenverteidigerkunst.

Gefährlich wurde es nur, wenn Ghana sein Mittelfeld schnell überbrückte, während die Italiener sich in der Rückwärtsbewegung befanden. So kam Linksverteidiger Pappoe nach einer halben Stunde bei einem Konter zu einer guten Schusschance. Doch zeigte Ghana hier nicht zum ersten Mal seine Abschlussschwäche. Kaum ein Schuss strahlte Gefahr für das Tor von Gianluigi Buffon aus, kaum ein wirklich überraschender Pass überlistete die italienische Abwehr. Ausgenommen Michael Essien: Unter den Augen von Ghanas Staatspräsident John Kufuor bewies Essien wiederholt individuelle Klasse. Seine regelmäßigen Flankenwechsel waren jedes Mal eine Augenweide, wenn sie auch von den Mitspielern selten gewinnbringend verarbeitet werden konnten.

Das 1:0 in der 41. Minute schließlich fiel nicht wie erwartet nach einer Flanke. Denn Ghanas Torwart Kingston wurde im Laufe des Spiels immer sicherer, nachdem er die ersten sechs hohen Bälle noch durchweg unterlaufen hatte. Andrea Pirlo verwandelte einen kurz ausgeführten Eckball ins rechte untere Eck, unhaltbar für Kingston.