Die ganze Nation fordert vom Titelanwärter gegen den Debütanten aus Afrika mehr als nur einen Sieg. "Gebt uns die Freude am Fußball zurück," flehte die La Gazzetta dello Sport vor der Begegnung am Montagabend in Hannover.

"Keine Angst, wir sind bereit", sagte Nationaltrainer Marcello Lippi vor der "größten Herausforderung" seiner Karriere, bei der er mit dem Comeback von Francesco Totti auf Risiko setzen will. Als brave Geburtshelfer für das neue italienische Fußball-Glück sind sich die selbstbewussten Ghanaer aber zu schade. "Gegen uns wird jeder leiden. Wir sind stark genug, um das Halbfinale zu erreichen", sagte Trainer Ratomir Dujkovic.

"Ghana ist technisch und taktisch stark und hat einige Top-Fußballer", warnte Lippi. "Das erste Spiel ist fundamental wichtig", mahnte auch Totti, den Gegner ja nicht zu unterschätzen. Nach seinem Wadenbeinbruch Mitte Februar ist der Spielmacher gerade erst wieder genesen. Der Zustand des Römers wurde in Italien zur nationalen Frage, wie hierzulande die lädierte Wade von Michael Ballack. "Ich bin wieder zu 70 Prozent fit", versprach er. Und das scheint Lippi zu reichen, um ihm den Vorzug vor dem aufbegehrenden Alessandro Del Piero zu geben, der stichelte: "Ich bin mehr als 100 Prozent fit."

"Totti wird spielen, er ist gegen Ghana dabei", bestätigte Lippi am Sonntagabend und mahnte: "Wenn wir verlieren, wird es verdammt schwer." Er soll die Stürmer Luca Toni und Alberto Gilardino mit Pässen füttern. In die Abwehr soll Alessandro Nesta nach überstandenen Muskelproblemen zurückkehren, sodass Lippi nur die verletzten Gianlucca Zambrotta und Gennaro Gattuso fehlen werden.

"Die Anspannung steigt", sagte Lippi, der spürt, dass seine Spieler endlich siegen wollen – und damit das Chaos in der Heimat verdrängen könnten. "Mit euch beginnt der Neuanfang", nahm Verbandspräsident Guido Rossi die "Azzurri" in die Pflicht. "Ihr spielt um die verlorene Ehre", schrieb die La Gazzetta dello Sport . Die Italiener stehen unter Druck und fürchten auch noch den brasilianischen Schiedsrichter Carlos Simon, der ihnen bei der WM 2002 gegen Mexiko zwei reguläre Tore aberkannt habe.

Ghana dagegen genießt seine Außenseiterrolle. "Wir haben nichts zu verlieren", sagte AS Roms Verteidiger Sammy Kuffour, einer von drei Italien-Legionären im Team. Nach der Pleite beim Afrika-Cup im Frühjahr ist das Team mit Dortmunds Stürmer Matthew Amoah wieder erstarkt. "Wir sind eine Familie: Der Coach ist der Vater und die Spieler sind seine Söhne", verriet der Psychologe Yao Mfodwo, der extra für die Weltmeisterschaft eingestellte wurde, das Erfolgsrezept.