Deutschland macht sich bereit zur zweiten großen Partie - aber so leicht wie Costa Rica werden es die Polen den "Klinsmännern" nicht machen. "Die werden mit dem Messer zwischen den Zähnen auf uns losgehen", warnte der gebürtige Pole Miroslav Klose vor seinen angeschlagenen Landsleuten.

"Für sie ist es fünf vor Zwölf. Da herrscht eine große Aggression im Umfeld, da sind die Nerven angespannt", sagte Jürgen Klinsmann zum zweiten Gruppengegner. Der Bundestrainer, dem schon 35 Stunden vor dem Anpfiff bei seinen letzten Ausführungen die Anspannung anzumerken war, verlangt darum vom eigenen Personal eine entsprechende Reaktion: "Wir müssen von der ersten Sekunde an positiv aggressiv aufgeladen sein. Da wird es zur Sache gehen. Das wird eine heiße Kiste."

Schon vor der Abreise in den Spielort Dortmund räumte Klinsmann am Dienstag auch die letzten Bedenken um einen Einsatz von Michael Ballack gegen Polen aus. Der Kapitän habe auch nach dem zweiten Belastungstest im Geheimtraining am Vorabend über keine neuen Beschwerden an der rechten Wade geklagt. "Es ist alles im grünen Bereich", sagte der Bundestrainer, für den Ballack im Abnutzungskampf gegen den östlichen Nachbarn ein Trumpf ist. "Das wird ein ganz enges Ergebnis", sagte Klinsmann voraus. Ballacks herausragende Qualität ist bekannt: Er ist der Mann der wichtigen Tore. Vor vier Jahren bei der WM in Asien entschied er sowohl das Viertelfinale gegen die USA als auch das Halbfinale gegen Südkorea (je 1:0). "Er ist hundertprozentig fit, er ist heiß", bemerkte Manager Oliver Bierhoff zum Regisseur.

Für den 29-jährigen Neu-Engländer Ballack sind Zweikampf- und Defensiv-Verhalten des gesamten Teams der Schlüssel zum Erfolg: "Man muss aggressiv am Mann sein." Bedenken, die Abwehr könne sich auch gegen die Polen wieder als Achillesferse erweisen, teilt Klinsmann nicht. Gegen Costa Rica habe seine Defensiv-Abteilung gerade mal zwei Fehler begangen, ein Gegentor sei noch aus Abseitsposition gefallen. "Ich halte die Diskussion für ein bisschen übertrieben", sagte der Bundestrainer am Dienstag und unterstrich nochmals auch das Vertrauen in den formschwachen Rechtsverteidiger Arne Friedrich: "Wir wissen, was er leisten kann."

Bis auf den Tausch Ballack gegen Tim Borowski plant Klinsmann keine Veränderung in der Startelf. "Für uns ist es wichtig, dass die Mannschaft weiter wächst und sich einspielt", verriet Klinsmann eine seiner Prioritäten. Die Chance für die Nationalmannschaft ist trotz aller Anspannung groß: Wird Polen geschlagen und Ecuador verliert einen Tag später gegen Costa Rica nicht, wäre Deutschland bereits vor dem Gruppenfinale am kommenden Dienstag für die nächste Runde qualifiziert. "Das wäre schön", bemerkte der Bundestrainer, "mit drei Punkten wollen wir uns das Achtelfinale sichern."

Dortmund ist für dieses Vorhaben ein gutes Pflaster: Noch nie verlor eine deutsche Nationalmannschaft dort ein Länderspiel. In 13 Spielen gab es 12 Siege. "Die ganze Mannschaft freut sich auf die Atmosphäre", berichtete Torwart Jens Lehmann, der bei der Stabilisierung der jungen Abwehr laut Klinsmann eine wichtige Aufgabe übernehmen muss. "Er muss die Spieler auch verbal führen, er kann das", bemerkte Klinsmann. Lehmann nannte vor dem Polen-Spiel zwei Gründe, weshalb er mit einem verbesserten Verhalten der Verteidigung rechnet. "Erstens sind wir uns der Fehler gegen Costa Rica bewusst. Zweitens sind wir im Training schon wieder vier, fünf Tage weiter."